1957 (Ereignis undatiert, Veröffentlichung 13./14. September 1957) · Küste bei Ubatuba, São Paulo · BR
Die Magnesiumfragmente von Ubatuba (Brasilien, 1957)
Zusammenfassung
Im September 1957 veröffentlichte der Kolumnist Ibrahim Sued in der Zeitung O Globo den Brief eines unbekannten Absenders, der bei Ubatuba (São Paulo) die Explosion einer fliegenden Scheibe über dem Meer beobachtet haben wollte; beigelegt waren drei Metallstücke. Der Arzt und Ufologe Olavo Fontes ließ sie in einem staatlichen Labor untersuchen, das sehr reines Magnesium feststellte, und gab sie an die US-Organisation APRO weiter. In den folgenden Jahrzehnten wurden Proben u. a. von Dow Chemical, im Rahmen der Condon-Studie (1968) und von Peter Sturrock analysiert: Sie erwiesen sich als nicht außergewöhnlich rein, enthielten aber auffällig viel Strontium. Isotopenmessungen 1997 und 2017/18 ergaben Magnesium-Verhältnisse im irdischen Bereich. Der Briefschreiber wurde nie identifiziert, die Herkunft der Stücke ist daher ungeklärt.
Evidenzprofil
Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.
Isotopenbefund
Magnesium im irdischen Bereich; Spurenelemente uneindeutig
Herleitung: Sturrock 2001 und Powell u. a. 2022 (nach q3).
Physisches Material
ja, mehrfach analysiert
Herleitung: Laborreihen 1957–2018 laut q2 und q3.
Herkunft/Beweiskette
unbelegt — anonymer Absender, kein Augenzeuge identifiziert
Herleitung: q2, q3
Ablauf des Ereignisses
1957, Datum unbekannt
Ein Absender mit unleserlicher Unterschrift schreibt, er habe beim Fischen nahe Ubatuba eine fliegende Scheibe steigen und in viele glühende Teile zerplatzen sehen; einige seien am Strand gelandet. [2] [3]
13./14.09.1957
Ibrahim Sued veröffentlicht den Brief in seiner Kolumne in O Globo. Die drei grauen, sehr leichten Metallstücke gehen an den Arzt Olavo Fontes. [1] [3] [6]
November 1957
Das Labor für Mineralproduktion des Landwirtschaftsministeriums analysiert die Proben; daraus wird die These abgeleitet, es handle sich um Magnesium höherer Reinheit, als irdische Technik damals herstellen konnte. Fontes übergibt Proben an Coral Lorenzen (APRO). [2] [3]
1958–1960er Jahre
Weitere Analysen folgen, u. a. 1958 im Oak Ridge National Laboratory und später bei Dow Chemical; Dow misst rund 99,98 % Magnesium mit Spuren von Strontium, Barium und Calcium. [3]
Februar 1968
Für die Condon-Studie lässt Roy Craig eine Probe per Neutronenaktivierung analysieren: rund 500 ppm Strontium, 160 ppm Barium, 500 ppm Zink. Die Probe ist weniger rein als Dow-Reinstmagnesium; zur Herkunft sagt die Analyse nichts aus. [2] [3]
1997 / 2001
Peter Sturrock, an den die Proben 1987 gelangt waren, lässt Isotopen- und Spurenanalysen durchführen; die Magnesium-Isotopenverhältnisse liegen im irdischen Bereich. [3] [4]
2017/2018, veröffentlicht 2022
Neue HR-ICPMS-Messungen bestätigen irdische Magnesium-Isotopenverhältnisse; die Isotopen der Spurenelemente bleiben ohne klares Ergebnis. [3]
Ort
- Die Magnesiumfragmente von Ubatuba (Brasilien, 1957)Küste bei Ubatuba, São Paulo · -23.43, -45.07 (±20 km)
Beteiligte
Zeugen
Organisationen
Quellen & Medien
Medien
- Provenienz:
- Wikimedia Commons · Deyves Martins · Lizenz: CC BY-SA 4.0
- Urheber:
- Deyves Martins
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- CC BY-SA 4.0
- Rechtestatus:
- lizenziert
- Originalquelle:
- https://commons.wikimedia.org/wiki/Special:FilePath/Praia-da-enseada-ubatuba-180522-001.jpg
- sha256:
- e8b3684e038730e7372646b29359886f…
Quellenverzeichnis
- [1] Presse Kolumne von Ibrahim Sued mit Leserbrief und Metallfragmenten — O Globo (Rio de Janeiro), 13. oder 14.09.1957 · Erstveröffentlichung der Geschichte · Original nicht eingesehen; Datum je nach Quelle 13. (Wikipedia) oder 14.09.1957 (q3).abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [2] Literatur Scientific Study of Unidentified Flying Objects (Condon Report), Case 4: Magnesium Fragment — University of Colorado / Roy Craig, hier nach der Online-Ausgabe von project1947.com, 1968 (Analyse Februar 1968) · Neutronenaktivierungsanalyse und Vergleich mit Dow-Reinstmagnesiumabgerufen am 06.10.2026
- [3] Literatur Isotope Ratios and Chemical Analysis of the 1957 Brazilian Ubatuba Fragment — Journal of Scientific Exploration 36(1) — Robert M. Powell, Michael D. Swords, Mark Rodeghier, Phyllis Budinger, 22.05.2022 · Probengeschichte, Überblick über alle Analysen, neue HR-ICPMS-Isotopenmessungabgerufen am 06.10.2026
- [4] Literatur Composition Analysis of the Brazil Magnesium — Peter A. Sturrock, Journal of Scientific Exploration 15(1), 2001 · Isotopen- und Spurenanalysen 1997 · Nicht selbst geöffnet; Ergebnisse nach q3 zitiert.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [5] Literatur The Great Flying Saucer Hoax — Coral und Jim Lorenzen (Buch), 1962 · APRO-Darstellung mit der Reinheits-These · Nicht eingesehen; laut q2 dort ausführlich behandelt.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [6] Presse UFO sightings in Brazil — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Kurzüberblick (Kolumnist, Datum)abgerufen am 06.10.2026
Erklärungsansätze
Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.
Irdisches Magnesium unbekannter Herkunft (z. B. Labor- oder Industriematerial)
Vertreten von: Roy Craig (Condon-Studie); Auswertung bei Powell u. a. 2022
Dafür: Isotopenverhältnisse im irdischen Bereich; Reinheit unter der von Dow-Reinstmagnesium; Strontium als Spurenelement in Magnesium wurde laut Powell u. a. bei Dow Chemical bereits erprobt.
Dagegen: Eine konkrete Quelle für Magnesium mit genau diesem Spurenprofil ist nicht nachgewiesen.
Erfundene Begleitgeschichte zu beliebigem Metall
Vertreten von: skeptische Stimmen laut Wikipedia; Condon-Studie verweist darauf, dass die Verbindung nur auf Hörensagen beruht
Dafür: Der Augenzeuge wurde nie gefunden; die Geschichte erschien in einer Gesellschaftskolumne ohne Nachprüfung.
Dagegen: Kein direkter Beleg für eine Täuschung; Motiv und Urheber unbekannt.
Trümmer eines nicht-irdischen Flugkörpers
Vertreten von: Olavo Fontes, APRO (Coral und Jim Lorenzen)
Dafür: Erste Analyse 1957 wurde als außergewöhnliche Reinheit gedeutet; ungewöhnliches Strontium-Spurenprofil.
Dagegen: Spätere Analysen widerlegen die Reinheitsthese; Isotopenverhältnisse sind irdisch; keine Verbindung zwischen Fragmenten und einem beobachteten Ereignis belegt.
Widersprüche & offene Fragen
Aussage A: Erste brasilianische Auswertung (1957, nach APRO-Darstellung): außergewöhnlich reines Magnesium.
Aussage B: Condon-Studie 1968: deutlich verunreinigt (u. a. 500 ppm Strontium), weniger rein als Dow-Material.
Die Reinheitsthese beruhte laut Powell u. a. auf Fehldeutung; Spuren lagen unter der Nachweisgrenze der ersten Methode.
Aussage A: Wikipedia: Brief am 13.09.1957 beim Kolumnisten eingegangen.
Aussage B: Powell u. a. 2022: Erstveröffentlichung am 14.09.1957.
Möglicherweise Eingangs- vs. Erscheinungsdatum; Original nicht geprüft.
Aussage A: Powell u. a.: Ereignis Mitte 1957.
Aussage B: Condon-Studie: Herbst 1957 (anonymisierte Darstellung ohne Ortsnamen).
Das eigentliche Ereignisdatum ist in keiner Quelle belegt.