13. Juli 1969, abends (eine ähnliche Erscheinung kurz zuvor, Datum offen) · Tunis (Beobachtungsort; Erscheinung am Nordhimmel) · TN
Grünliche Leuchtwolken über Tunis (Juli 1969)
Zusammenfassung
Am Abend des 13. Juli 1969 sahen nach einer Depesche der US-Botschaft viele Menschen in Tunis, darunter Botschaftsangehörige, eine zweiteilige Himmelserscheinung im Norden nahe dem Polarstern. Eine grünlich-blaue, runde Wolke etwa von Vollmondgröße stand tiefer, eine zweite Erscheinung begann sternartig, „explodierte“ dann zu einer grünlichen Wolke, die sich über den Himmel ausbreitete und verschwand. Die Botschaft verwies auf eine fast gleiche Beobachtung kurz zuvor und bat über das State Department die Smithsonian Institution um eine Erklärung; eine Antwort ist nicht auffindbar. Die europäische Raumforschungsorganisation ESRO startete an genau diesem Abend sowie eine Woche vorher Höhenforschungsraketen vom Typ Skylark von Salto di Quirra auf Sardinien, rund 320 Kilometer nördlich von Tunis. Diese Zuordnung ist ein redaktioneller Prüfansatz und in keiner zeitgenössischen Quelle belegt. 1975 meldete dieselbe Botschaft auf eine regionale Anfrage, in Tunesien gebe es keine neuen UFO-Meldungen.
Evidenzprofil
Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.
Aktenlage
ein Telegramm von 1969 und eine Antwortdepesche von 1975
Herleitung: q1, q2.
Datenlücke: Bezugsdepesche TUNIS 3222 und eine Antwort des Smithsonian fehlen.
Bildmaterial
keine Fotos bekannt
Herleitung: q1.
Raumfahrt-Abgleich
ESRO-Skylark-Starts am 6. und 13. Juli 1969 abends, rund 320 km nördlich von Tunis
Herleitung: q4, q5; Richtung und Sonnenstand redaktionell nachgerechnet.
Zeugenlage
viele Beobachter in Tunis, darunter Botschaftsangehörige
Herleitung: q1.
Datenlücke: Keine Zahl, keine Namen, keine genaue Uhrzeit.
Ablauf des Ereignisses
Anfang Juli 1969 (Datum offen)
Die US-Botschaft in Tunis meldet in der Depesche TUNIS 3222 eine Himmelserscheinung; der Inhalt ist nur aus dem späteren Verweis bekannt. [1] [6]
6. Juli 1969, 19:50 UTC
Die ESRO startet die Skylark-Rakete S64/1 von Salto di Quirra auf Sardinien; die Gipfelhöhe liegt laut Startliste bei 275 Kilometern. [4]
13. Juli 1969, abends
Viele Beobachter in Tunis, darunter Botschaftsangehörige, sehen im Norden zwei Erscheinungen nahe dem Polarstern: eine grünlich-blaue runde Wolke von Vollmondgröße und darüber einen „Stern“, der zu einer grünlichen Wolke zerplatzt, sich verformt und verschwindet. Einige sehen nur kurze helle Lichter. [1]
13. Juli 1969, 19:41 UTC
Am selben Abend startet die ESRO die Skylark S64/2 von Salto di Quirra, rund 320 Kilometer fast genau nördlich von Tunis (Gipfelhöhe 280 Kilometer). [4]
14. Juli 1969
Die Botschaft beschreibt das Ereignis im offenen Telegramm „Tunisian Firefall“ und bittet um die Erklärung, die das Smithsonian gefunden haben könnte; das Telegramm wird an das Smithsonian-Observatorium in Cambridge weitergegeben. [1] [7]
7.–11. März 1975
Nach einer Anfrage des algerischen Verteidigungsministeriums zu Lichterscheinungen über Algerien antwortet die Botschaft Tunis, in Tunesien gebe es keine neuen UFO-Meldungen. [2] [3]
Ort
- Grünliche Leuchtwolken über Tunis (Juli 1969)Tunis (Beobachtungsort; Erscheinung am Nordhimmel) · 36.80, 10.18 (±10 km)
Beteiligte
Zeugen
Organisationen
Quellen & Medien
Medien
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- Wikimedia Commons · Gaelen Marsden (Wikimedia Commons) · Lizenz: CC BY-SA 2.5
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TUNIS 3293: Tunisian Firefall (14.07.1969)
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- catalog.archives.gov · US-Botschaft Tunis / U.S. Department of State; U.S. National Archives, RG 615 · Lizenz: Gemeinfrei (Werk der US-Regierung)
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- US-Botschaft Tunis / U.S. Department of State; U.S. National Archives, RG 615
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- https://catalog.archives.gov/medialz/electronic-records/rg-615/580103959/457UAP00014_released.pdf
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TUNIS 1442: Unidentified Flying Objects (11.03.1975)
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Quellenverzeichnis
- [1] Behördendokument TUNIS 3293: Tunisian Firefall — US-Botschaft Tunis an das State Department; U.S. National Archives, RG 615 (Schlüssel 457UAP00014), 14.07.1969 (UAP Records Collection, Freigabe 2025) · Beschreibung der zweiteiligen Erscheinung vom 13.07.1969, Verweis auf ähnliche Beobachtung, Bitte um Erklärung der Smithsonian · OCR-Volltext schwer lesbar; Text am PDF-Scan geprüft. Weitergeleitet an das Smithsonian-Observatorium in Cambridge (Vermerk auf Seite 1).abgerufen am 06.10.2026
- [2] Behördendokument TUNIS 1442: Unidentified Flying Objects — US-Botschaft Tunis an die Botschaft Algier; U.S. National Archives, RG 615 (Schlüssel 457UAP00002), 11.03.1975 (UAP Records Collection, Freigabe 2025) · Antwort auf Anfragen aus Algier und Rabat: keine neuen UFO-Meldungen in Tunesien · Am PDF-Scan gelesen; unterzeichnet: Seelye. Gleichlautend auch in der PlusD-Sammlung (1975TUNIS01442).abgerufen am 06.10.2026
- [3] Behördendokument ALGIERS 0638: Unidentified Flying Objects Over Algeria — US-Botschaft Algier an das State Department (Archivkopie in der PlusD-Sammlung von WikiLeaks), 07.03.1975 · Bezugsdepesche von 1975: Anfrage des algerischen Verteidigungsministeriums zu Lichterscheinungen · Nur als regionaler Kontext für q2; betrifft nicht den Vorfall von 1969.abgerufen am 06.10.2026
- [4] Presse General Catalog of Artificial Space Objects – Startliste (launch.tsv) und Ortsliste (sites.tsv) — Jonathan C. McDowell, planet4589.org, Stand 02.10.2026, abgerufen 06.10.2026 · ESRO-Skylark S64/1 (06.07.1969, 19:50 UTC) und S64/2 (13.07.1969, 19:41 UTC) von Salto di Quirra, Gipfelhöhe 275–280 km; dazu S38/1 (05.07.) und S38/2 (11.07.) · Standortkoordinaten Salto di Quirra (39,60° N, 9,43° O) aus https://planet4589.org/space/gcat/tsv/tables/sites.tsv. Art der Nutzlast S64 (Aeronomie, Belgisches Institut für Raumaeronomie) nicht näher geprüft.abgerufen am 06.10.2026
- [5] Presse ESRO's first sounding rockets — European Space Agency (ESA), Geschichtsseiten, 04.07.2014 · Salto di Quirra auf Sardinien als häufig genutzter ESRO-Startplatz für Skylark-Raketen (1964–1972)abgerufen am 06.10.2026
- [6] Behördendokument TUNIS 3222 (Bezugsdepesche zu q1) — US-Botschaft Tunis, Juli 1969 (genaues Datum unbekannt) · frühere Meldung einer fast gleichen Erscheinung · Nicht auffindbar; Existenz und Inhalt nur aus dem Verweis in q1 bekannt.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [7] Presse Center for Short-Lived Phenomena — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Hintergrund: 1968 gegründete Smithsonian-Stelle für kurzlebige Naturereignisseabgerufen am 06.10.2026
Erklärungsansätze
Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.
Leuchtwolken von ESRO-Höhenforschungsraketen aus Sardinien (redaktioneller Prüfansatz)
Vertreten von: Redaktion uappedia – keine zeitgenössische Quelle stellt diese Verbindung her
Dafür: Startzeit 19:41 UTC am 13. Juli, etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang in Tunis (Sonne rund 11 Grad unter dem Horizont, Nachrechnung mit PyEphem); Startplatz in Richtung 348 Grad, also nahe dem Polarstern; ein gleichartiger Start eine Woche vorher könnte zur „fast gleichen“ früheren Meldung passen, deren Datum aber unbekannt ist. In großer Höhe bleiben Wolken noch sonnenbeschienen.
Dagegen: Ob die Nutzlasten sichtbare Wolken erzeugten oder ob nur die Abgasspur leuchtete, ist nicht geprüft. Das Datum der Bezugsdepesche ist unbekannt, eine Antwort des Smithsonian fehlt.
Meteor oder Feuerkugel
Vertreten von: naheliegend durch den Begriff „Firefall“ in der Depesche; von keiner Quelle ausgearbeitet
Dafür: Feuerkugeln können Leuchtspuren hinterlassen und von vielen Menschen zugleich gesehen werden.
Dagegen: Zwei getrennte Erscheinungen, eine sich ausbreitende Wolke und eine fast gleiche Erscheinung kurz zuvor passen schlecht zu einem Meteor.
Ungeklärte Himmelserscheinung
Vertreten von: Einordnung durch die Botschaft, die um eine Erklärung bat
Dafür: Eine amtliche Auflösung ist nicht überliefert; die Depesche wurde in die UAP Records Collection aufgenommen.
Dagegen: Die zeitliche und räumliche Übereinstimmung mit den Raketenstarts spricht für eine konventionelle Ursache.
Widersprüche & offene Fragen
Aussage A: Die Depesche nennt das Ereignis „Firefall“, ein Wort für Feuerkugeln (q1)
Aussage B: Die Beschreibung zeigt zwei Teile, sich ausbreitende Wolken und eine ähnliche Erscheinung kurz zuvor (q1, q6)
Der Titel spiegelt vermutlich die damalige Kategorie der Smithsonian-Meldestelle, nicht eine Bewertung.
Aussage A: Die meisten Beobachter sahen grünliche, sich ausbreitende Wolken (q1)
Aussage B: Einige berichteten nur kurzlebige helle Lichter (q1)
Unterschiedliche Wahrnehmung derselben Erscheinung; die Depesche nennt keine Zahl der Zeugen.