19. Januar 1966, gegen 9 Uhr (eine Quelle nennt den 16. Januar) · Horseshoe Lagoon bei Euramo (nahe Tully) · AU
Das „Schilfnest“ von Tully (Queensland, Januar 1966)
Zusammenfassung
Am Morgen des 19. Januar 1966 fuhr der Bananenpflanzer George Pedley mit einem Traktor an der Horseshoe Lagoon bei Euramo nahe Tully vorbei, als er ein lautes Zischen hörte. Nach seiner Aussage stieg ein grauer, untertassenförmiger Gegenstand von rund 25 Fuß Durchmesser über dem Sumpf auf, drehte sich schnell und flog in einem Winkel von etwa 45 Grad nach Südwesten davon. An der Stelle fand er eine annähernd kreisrunde Fläche von rund neun bis zehn Metern, auf der Schilf und Gras im Uhrzeigersinn bis zur Wasseroberfläche niedergedrückt und teils entwurzelt waren. Polizei und Luftwaffe nahmen den Fall auf; die Universität von Queensland fand an Grasproben weder Brandspuren noch nennenswerte Radioaktivität. Die Luftwaffe legte sich nicht fest, nannte aber Fallwinde, kleine Wirbelwinde („willy willies“) oder Wasserhosen als mögliche Ursache, während der örtliche Polizeibeamte zunächst an einen Hubschrauber dachte. In den folgenden Tagen und Jahren wurden in der Umgebung weitere solche „Nester“ gefunden. Die britischen Kornkreis-Macher Doug Bower und Dave Chorley nannten den Fall später als Anregung.
Evidenzprofil
Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.
Amtliche Bearbeitung
Polizei Tully, RAAF Townsville und Nachrichtenabteilung, Proben an die Universität von Queensland
Herleitung: q1, q2 (Auszüge aus der Akte q6).
Datenlücke: RAAF-Originalakte nicht selbst eingesehen; Signatur unbekannt.
Physische Spuren
kreisrunde Schilfmatte im Uhrzeigersinn, entwurzelt; weitere kleinere Nester in der Nähe
Herleitung: q1, q2.
Datenlücke: Fotos des Grundbesitzers nur in Sekundärquellen erwähnt.
Wetter
laut Sichtungsformular klarer Himmel und heiße Sonne, kaum Wind
Herleitung: q1, q2.
Zeugenlage
ein Augenzeuge des Objekts; Spur von Grundbesitzer, Polizei und Nachbarn gesehen
Herleitung: q1, q3.
Datenlücke: Keine weiteren Sichtzeugen für das Objekt selbst.
Ablauf des Ereignisses
19. Januar 1966, gegen 9 Uhr
Pedley hört beim Traktorfahren ein lautes Zischen und sieht einen grauen, flachen Gegenstand über dem Sumpf aufsteigen, sich drehen und mit etwa 45 Grad Steigung nach Südwesten verschwinden. [1] [2] [3]
19. Januar 1966, kurz danach bis mittags
An der Stelle findet er eine kreisrunde, freie Wasserfläche, später eine schwimmende Matte aus im Uhrzeigersinn gelegtem, entwurzeltem Schilf; deren Oberseite verfärbt sich bald braun. [1] [2]
19. Januar 1966, 19:30 Uhr
Pedley meldet die Beobachtung bei der Polizei in Tully. [1]
20. Januar 1966
Ein Polizeisergeant besichtigt den Ort und verständigt die RAAF-Basis Townsville. Unweit des ersten Nests werden zwei kleinere Nester entdeckt, eines im, eines gegen den Uhrzeigersinn. [1]
21.–26. Januar 1966
Grasproben gehen an die Universität von Queensland (kein Brand, keine nennenswerte Radioaktivität). Die RAAF stellt fest, dass keine Militär- oder Zivilflugzeuge im Gebiet waren, und weist laut Presse die Hubschrauber-These wegen der Drehrichtung zurück. [1] [2] [7]
1966–1990
An der Lagune entstehen in mehreren Jahren weitere Nester (u. a. 1969, 1972, 1975, 1981, 1987); bis 1990 zählt der Grundbesitzer 22. Bei einigen späteren Funden wird Fälschung oder Fehldeutung vermutet. [1] [2]
ab 1978 (spätere Angabe)
Die britischen Kornkreis-Macher Doug Bower und Dave Chorley geben an, durch den Tully-Fall zu ihren Feldmustern angeregt worden zu sein. [3] [5]
Ort
- Das „Schilfnest“ von Tully (Queensland, Januar 1966)Horseshoe Lagoon bei Euramo (nahe Tully) · -18.00, 145.90 (±5 km)
Beteiligte
Zeugen
Organisationen
Quellen & Medien
Medien
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Quellenverzeichnis
- [1] Presse The 1966 Tully Saucer Nest — Project 1947 (Bill Chalker), 1997 · ausführliche Rekonstruktion mit Auszügen aus RAAF- und Polizeiakten, Laborergebnissen und einem Interview mit Pedleyabgerufen am 06.10.2026
- [2] Presse The 1966 Tully flying saucer nest revisited — The OZ Files (Blog von Bill Chalker), Juli 2017 · Wortlaut der RAAF-Bewertungen (1966 und später), Hubschrauber-Vermutung des Polizeibeamten, spätere Nester bis 1990abgerufen am 06.10.2026
- [3] Presse Tully's cane farm crop circles and an enduring 58yo UFO mystery — ABC News (Chris Calcino, Danielle O'Neal), 24.11.2024 · Rückblick mit Erinnerungen aus der Familie des Grundbesitzers; Andrang von Schaulustigen; Bezug zu Kornkreisenabgerufen am 06.10.2026
- [4] Presse The Truth Is Out There — Queensland UFO related periodicals — State Library of Queensland (Blog, Myles Sinnamon), 02.07.2015 · Kurzdarstellung mit abweichendem Datum (16. Januar); Befund „natürliches Absterben unter Wasser“ und Gegentests der QFSRBabgerufen am 06.10.2026
- [5] Presse Crop circle — Wikipedia (englisch), abgerufen 25.07.2026 · Übersichtsdarstellung mit Belegapparatabgerufen am 25.07.2026
- [6] Behördendokument RAAF-Akte (Directorate of Air Force Intelligence) zur Sichtung bei Tully — Royal Australian Air Force / Department of Air, Januar 1966 ff. · Sichtungsformular, Polizeibericht, Begleitschreiben aus Townsville, Bewertung · Nicht selbst eingesehen; Inhalte nur über die Auszüge in q1 und q2. Eine Archivsignatur nennen die geprüften Quellen nicht.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [7] Presse Bericht über die Haltung der RAAF zur Hubschrauber-These — The Courier-Mail (Brisbane), 25.01.1966 · zeitgenössische Presse: RAAF schließt Hubschrauber wegen der Drehrichtung aus · Nicht selbst eingesehen; nur als Zitat in q1 und q2. Originaltitel unbekannt.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
Erklärungsansätze
Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.
Wirbelwind („willy willy“), Fallwind oder Wasserhose
Vertreten von: RAAF/Department of Air (1966 und später)
Dafür: Zischgeräusch, Drehsinn im Uhrzeigersinn, entwurzeltes Schilf und aufgewirbelte Pflanzenteile, die wie ein Objekt wirken könnten, passen zu einem kleinen Luftwirbel.
Dagegen: Laut Sichtungsformular klarer Himmel und heiße Sonne, während die RAAF solche Wirbel selbst mit Böen- und Gewitterlagen verband. Ortskundige kannten laut Chalker kein vergleichbares Schadensbild; Spuren aufgewirbelter Pflanzenteile fanden sich nicht.
Hubschrauber
Vertreten von: zunächst der örtliche Polizeisergeant
Dafür: Ein im Gegenlicht spiegelnder Rotor könnte einen flachen, rotierenden Körper vortäuschen.
Dagegen: Die RAAF verwies auf die gegenläufige Drehrichtung typischer Hubschrauber-Abdrücke und fand keinen Flugverkehr im Gebiet; freies Gelände zum Landen lag in der Nähe.
Natürliches Absterben, Tiere oder spätere Nachahmung
Vertreten von: Laborbefund der Universität von Queensland; lokale Deutungen (Krokodile, Vögel); Fälschungsverdacht bei späteren Nestern
Dafür: Das Labor sah Absterben durch Untertauchen als Ursache der Verfärbung; einige spätere Nester gelten als zweifelhaft.
Dagegen: Erklärt nicht das beobachtete Objekt. Nach Chalker verfärbte sich das Schilf binnen etwa acht Stunden, schneller als bei Vergleichsversuchen mit untergetauchtem Schilf.
Nicht identifiziertes Flugobjekt mit physischer Spur
Vertreten von: George Pedley (Augenzeuge); Bill Chalker; Queensland Flying Saucer Research Bureau
Dafür: Zeitliche und örtliche Übereinstimmung von Beobachtung und frischer Spur; Spur von Polizei und Dritten gesehen.
Dagegen: Nur ein Augenzeuge; keine Fotos des Objekts; die Spur allein ist mehrdeutig.
Widersprüche & offene Fragen
Aussage A: 19. Januar 1966 (q1, q2, q3)
Aussage B: 16. Januar 1966 (q4)
Polizeimeldung und RAAF-Unterlagen (nach q1) nennen den 19. Januar; die Angabe in q4 ist vermutlich ein Fehler.
Aussage A: Sichtdauer etwa 15 Sekunden (RAAF-Akte, nach q1/q2)
Aussage B: etwa 30 Sekunden (Pedley im späteren Interview, q1)
Zeitschätzungen aus dem Gedächtnis; Größenordnung gleich.
Aussage A: Objekt 25 Fuß breit, 9 Fuß hoch; Nest rund 30 Fuß Durchmesser (Pedley, q1)
Aussage B: Objekt 25 Fuß lang, 8 Fuß tief; Nest 32 × 25 Fuß (RAAF-Akte, q1/q2, q5)
Geringe Abweichungen; die Nestform wird teils rund, teils oval angegeben (q4).
Aussage A: Schilf binnen etwa acht Stunden braun (q1)
Aussage B: Verfärbung innerhalb von 24 Stunden; Gegentests der QFSRB sahen dafür etwa drei Tage als nötig an (q4)
Betrifft die These vom natürlichen Absterben durch Untertauchen.