20. September 1977, gegen 4 Uhr Ortszeit · Petrosawodsk, Karelien · RU
Das Petrosawodsk-Phänomen (September 1977)
Zusammenfassung
In den frühen Morgenstunden des 20. September 1977 beobachteten Menschen in Petrosawodsk (Karelien) eine leuchtende Erscheinung, die als quallenförmig mit herabfallenden Lichtstrahlen beschrieben wurde. Meldungen kamen in derselben Nacht aus einem großen Gebiet, darunter Leningrad und Helsinki. Die sowjetische Nachrichtenagentur TASS verbreitete einen Bericht ihres Korrespondenten Nikolai Milow, den große Zeitungen übernahmen. Zur selben Zeit startete vom damals geheimen Kosmodrom Plessezk eine Wostok-2M-Rakete mit dem Satelliten Kosmos 955. Westliche Beobachter, allen voran James Oberg, ordneten die Erscheinung diesem Start zu; die sowjetische Akademie der Wissenschaften gab eine eigene Untersuchung in Auftrag. Einzelne Meldungen aus sehr weit entfernten Orten und Berichte über Folgeschäden sind bis heute nicht belastbar geklärt.
Evidenzprofil
Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.
Amtliche Bearbeitung
vorläufiger Bericht für die Akademie der Wissenschaften der UdSSR
Herleitung: q4 laut Belegapparat in q7.
Datenlücke: Originaldokument nicht geöffnet.
Entfernung Startplatz – Beobachtungsort
mehrere hundert Kilometer (Plessezk liegt östlich von Petrosawodsk)
Herleitung: Geografische Lage; Sekundärquellen nennen abweichende Entfernungsangaben.
Datenlücke: Keine Bahnrekonstruktion des Starts in den geprüften Quellen.
Zeitliche Deckung mit Raketenstart
Start Kosmos 955 um 01:01 UTC, Beobachtungen gegen 4 Uhr Ortszeit
Herleitung: Startdaten (q3), Beobachtungszeit (q1, q7).
Zeugenlage
Massensichtung in Petrosawodsk und weiteren Orten
Herleitung: TASS-Meldung (q1), Akademie-Bericht (q4), Übersicht (q7).
Datenlücke: Zeugenaussagen nur über Sekundärliteratur eingesehen.
Ablauf des Ereignisses
20.09.1977, 01:01 UTC (gegen 4 Uhr Moskauer Zeit)
Vom Kosmodrom Plessezk startet eine Wostok-2M-Rakete mit dem Satelliten Kosmos 955 in nordöstlicher Richtung. [3] [7]
20.09.1977, gegen 4 Uhr Ortszeit
In Petrosawodsk wird eine helle, sich ausbreitende Erscheinung mit nach unten gerichteten Lichtstrahlen beobachtet; die Schilderungen sprechen von etwa 10 bis 15 Minuten Dauer. [1] [7]
dieselbe Nacht
Meldungen über ungewöhnliche Lichterscheinungen kommen aus weiten Teilen Nordwesteuropas und der Sowjetunion, unter anderem aus Leningrad und Helsinki; finnische Zeitungen berichten am 20. und 21. September. [7]
September 1977
TASS verbreitet den Bericht von Nikolai Milow; sowjetische Zentralzeitungen drucken ihn nach. [1] [5] [7]
30.09.1977
Die New York Times meldet, ein Sprecher des Center for UFO Studies halte die Erscheinung für eine Raketenstufe. [2]
20.10.1977
Ein vorläufiger Bericht für die Akademie der Wissenschaften fasst Zeugenaussagen und Messdaten zusammen und kommt zu keiner abschließenden Erklärung. [4] [7]
1982/1983
Oberg stellt seine Zuordnung zu Starts aus Plessezk öffentlich vor; 1983 räumt die Sowjetunion die Existenz des Kosmodroms offiziell ein. [6]
Ort
- Das Petrosawodsk-Phänomen (September 1977)Petrosawodsk, Karelien · 61.79, 34.35 (±15 km)
Beteiligte
Zeugen
Organisationen
Quellen & Medien
Medien
- Provenienz:
- Wikimedia Commons · European Space Agency (ESA) · Lizenz: CC BY-SA 3.0 IGO
- Urheber:
- European Space Agency (ESA)
- Lizenz:
- CC BY-SA 3.0 IGO
- Rechtestatus:
- lizenziert
- Originalquelle:
- https://commons.wikimedia.org/wiki/Special:FilePath/Plesetsk%2C%20Russia%20ESA385078.jpg
- sha256:
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- Provenienz:
- Wikimedia Commons · Informationsabteilung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation · Lizenz: CC BY 4.0
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- Informationsabteilung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation
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- CC BY 4.0
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- lizenziert
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- Provenienz:
- Wikimedia Commons · Dmitry Ivanov (laut Signatur-Logo auf der Dateiseite; vor Nutzung bestätigen) · Lizenz: CC BY-SA 4.0
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- Dmitry Ivanov (laut Signatur-Logo auf der Dateiseite; vor Nutzung bestätigen)
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- CC BY-SA 4.0
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- Originalquelle:
- https://commons.wikimedia.org/wiki/Special:FilePath/Vostok-2M%20(8A292M)%20in%20Korolyov%2C%20Moscow%20Oblast.jpg
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- bb3924884c177e6cc34ca765fb8fe51d…
Quellenverzeichnis
- [1] Presse TASS-Meldung „Seltsame Naturerscheinung über Karelien“ (Korrespondent Nikolai Milow) — TASS (Telegrafnoje agentstwo Sowjetskogo Sojusa), September 1977 · zeitgenössische amtliche Nachrichtenmeldung mit Augenzeugenschilderung · Wortlaut nur über Sekundärquellen (Oberg, Wikipedia) erschlossen; Originalmeldung und genaues Datum nicht geprüft. Nachgedruckt u. a. in Prawda und Iswestija.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [2] Presse Mysterious Light Sighted in Soviet Is Described as a Rocket Booster — The New York Times, 30.09.1977 · frühe westliche Einordnung als Raketenstufe (Sprecher des Center for UFO Studies) · Volltext nicht abrufbar (Paywall/Abrufsperre); Inhalt nur nach Titel und Anreißer aus der Quellenrecherche.abgerufen am 06.10.2026
- [3] Presse Kosmos 955 — Startdaten (Wostok-2M, Plessezk, 20.09.1977, 01:01 UTC) — Wikipedia (englisch), gestützt auf Startlisten, abgerufen 06.10.2026 · Startzeit, Startort, Trägerrakete und Bahndaten · Primäre Startliste (z. B. Jonathan McDowell, Launch Log) bei der Redaktionsprüfung ergänzen.abgerufen am 06.10.2026
- [4] Behördendokument Vorläufige Analyse und Beschreibung des Phänomens vom 20.09.1977 (Gindilis, Menkow, Petrowskaja) — Akademie der Wissenschaften der UdSSR, 20.10.1977 · vorläufiger wissenschaftlicher Untersuchungsbericht mit Zeugenaussagen · Laut Wikipedia auf astronet.ru veröffentlicht; Dokument selbst nicht geöffnet, URL bei Redaktionsprüfung ergänzen.abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
- [5] Presse Soviet Saucers — James Oberg (zuerst OMNI, April 1994; Nachdruck debunker.com), 1994 · skeptische Analyse; Zuordnung zum Start aus Plessezkabgerufen am 06.10.2026
- [6] Presse The Soviet Union's 'Roswell' Cloaked Down-to-Earth Reality — The Christian Science Monitor (Robert C. Cowen), 08.07.1997 · Rückblick auf Obergs Analyse und die Geheimhaltung von Plessezkabgerufen am 06.10.2026
- [7] Presse Petrozavodsk phenomenon — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Übersichtsdarstellung mit Belegapparat (russische Akten, finnische Presse, Platow 1984)abgerufen am 06.10.2026
Erklärungsansätze
Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.
Start der Wostok-2M-Rakete mit Kosmos 955 aus Plessezk
Vertreten von: James Oberg; frühe westliche Presse (NYT, 1977)
Dafür: Startzeit und Beobachtungszeit fallen zusammen; der Start erfolgte in nordöstlicher Richtung, Petrosawodsk liegt südwestlich davon; Plessezk war damals geheim, was die anfängliche Ratlosigkeit erklärt.
Dagegen: Einzelne Meldungen aus sehr weit entfernten Orten und Schilderungen geringer Entfernung passen nicht ohne Weiteres zu einem einzelnen Start; das Datenmaterial der Akademie ist im Original nicht geprüft.
Ionosphärische Wirkung der Triebwerksabgase
Vertreten von: Juli Platow (IZMIRAN), 1984
Dafür: Erweitert die Raketenerklärung um Leuchteffekte in der hohen Atmosphäre und würde das großflächige Erscheinungsbild verständlicher machen.
Dagegen: Nur über die Sekundärliteratur erschlossen; die Arbeit selbst wurde für dieses Dossier nicht geprüft.
Unbekanntes Flugobjekt bzw. außerirdisches Raumschiff
Vertreten von: sowjetische UFO-Publizisten, u. a. Alexander Kasanzew, Wladimir Aschascha, Felix Siegel
Dafür: Die Schilderungen der Zeugen waren ungewöhnlich und wurden in großer Zahl gesammelt.
Dagegen: Keine physischen Belege; die zeitliche Deckung mit einem dokumentierten Raketenstart bietet eine naheliegende konventionelle Erklärung.
Widersprüche & offene Fragen
Aussage A: Meldungen von Kopenhagen und Helsinki bis Wladiwostok
Aussage B: Sichtbarkeit eines einzelnen Raketenstarts aus Plessezk
Ein Start im Nordwesten Russlands erklärt Beobachtungen in Karelien, Finnland und Leningrad gut, aber nicht ohne Weiteres Meldungen aus dem Fernen Osten. Ob diese zeitgleich und auf dasselbe Ereignis bezogen sind, ist nicht geprüft.
Aussage A: Oberg schreibt sich die Aufklärung selbst zu
Aussage B: Die New York Times berichtet bereits am 30.09.1977 von der Raketen-Erklärung (CUFOS-Sprecher)
Beide Darstellungen schließen sich nicht aus; die Erst-Zuordnung ist aber nicht eindeutig einer Person zuzuschreiben.
Aussage A: Berichte über Schäden an Fenstern und Pflaster
Aussage B: keine belastbare Dokumentation solcher Schäden in den geprüften Quellen
Die Schadensbehauptungen werden im Rückblick des Christian Science Monitor nur als Behauptungen erwähnt.