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14. Juni 1980, ab etwa 19 Uhr Ortszeit (Depesche 19. Juni 1980) · Buenos Aires und weite Teile Argentiniens · AR

Leuchtender Ring über Argentinien (14. Juni 1980)

Status: keine argentinische Behördenuntersuchung veröffentlicht; US-Botschaftsdepesche (NARA RG 615); Raketenstufen-Erklärung in der Fachliteratur [1]Bearbeitungsstand: Redaktionell geprüftmassensichtungraumfahrtraketenstufebehoerdenakteus-depeschenara-rg615lichterscheinung

Zusammenfassung

Am Abend des 14. Juni 1980 sahen Menschen in weiten Teilen Argentiniens sowie in Nachbarländern einen großen, weißlich leuchtenden Ring oder Halo, der langsam über den Himmel zog; Lotsen am Flughafen Aeroparque in Buenos Aires meldeten sogar ein Objekt im Landeanflug. In der Presse kursierte danach die Behauptung, ein NASA-Experiment namens „Firewheel“ habe die Erscheinung erzeugt; die US-Botschaft in Buenos Aires bat am 19. Juni 1980 per Depesche die NASA um eine Stellungnahme. Die Firewheel-Nutzlast war jedoch beim Fehlstart der Ariane L02 am 23. Mai 1980 verloren gegangen. Nach heute verbreiteter Deutung verursachte die Oberstufe einer sowjetischen Molnija-Rakete, die am selben Tag den Satelliten Kosmos 1188 startete, den Ring. Ufologen deuteten das Ereignis damals als Mutterschiff.

Evidenzprofil

Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.

Amtliche Bearbeitung

US-Botschaftsdepesche; keine argentinische Behördenakte bekannt

Herleitung: q1.

Datenlücke: Ob die NASA antwortete, ist in RG 615 nicht dokumentiert.

Bildmaterial

zahlreiche Pressefotos (u. a. La Capital, Rosario)

Herleitung: q2.

Datenlücke: Rechte an den Fotos unklar.

Raumfahrt-Kontext

Molnija-Start am selben Tag; gescheiterter Ariane-Flug mit Firewheel drei Wochen zuvor

Herleitung: q4, q5, q6.

Zeugenlage

Massensichtung in mehreren Ländern, darunter Fluglotsen

Herleitung: q2, q3.

Ablauf des Ereignisses

  1. 23.05.1980

    Die zweite Ariane-1-Rakete (Flug L02) startet in Französisch-Guayana mit der Nutzlast Firewheel und scheitert kurz nach dem Start; Firewheel erreicht keine Umlaufbahn. [5] [6]

  2. 14.06.1980, 20:52 UTC

    Vom Kosmodrom Plessezk startet eine Molnija-M-Rakete mit dem sowjetischen Frühwarnsatelliten Kosmos 1188. [4]

  3. 14.06.1980, ab etwa 19 Uhr Ortszeit

    In vielen Orten Argentiniens und in Nachbarländern wird mehrere Minuten lang ein großer, durchscheinender, weißlicher Ring oder Halo gesehen. Lotsen am Aeroparque melden ein Objekt im Anflug; zahlreiche Fotos entstehen. [2] [3]

  4. 18.06.1980

    Ein Fernsehsender in Córdoba berichtet, ein argentinischstämmiger NASA-Ingenieur habe seiner Mutter angekündigt, ein Experiment namens Firewheel werde Mitte Juni eine untertassenartige Erscheinung erzeugen. [1]

  5. 19.06.1980

    Der Buenos Aires Herald druckt die Agenturmeldung. Die US-Botschaft schickt sie per Depesche an USICA und NASA und bittet um eine Stellungnahme an die Presse in Washington. [1]

  6. Mai 1981

    Der Raumfahrtjournalist James Oberg ordnet die Erscheinung der Brennphase der Oberstufe beim Start von Kosmos 1188 zu. [2] [7]

Ort

Buenos Aires und weite Teile Argentiniens — vereinfachte Weltkarte (Natural Earth). Die interaktive Karte mit Zoom lädt nach Ihrer Zustimmung oben; alle Fallorte stehen zusätzlich als Liste bereit.

Beteiligte

Zeugen

Organisationen

    Quellen & Medien

    Medien

    BUENOS 05003: Argentina Media Carrying Stories (19.06.1980)

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    Provenienz:
    catalog.archives.gov · US-Botschaft Buenos Aires / Department of State (NARA RG 615) · Lizenz: Public domain (Werk der US-Bundesregierung, 17 U.S.C. § 105)
    Urheber:
    US-Botschaft Buenos Aires / Department of State (NARA RG 615)
    Lizenz:
    Public domain (Werk der US-Bundesregierung, 17 U.S.C. § 105)
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    112ddbefc7cc9485c0cc1e6ef0b24077…
    Molniya launch vehicle
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · Matveev Michail · Lizenz: CC BY 3.0
    Urheber:
    Matveev Michail
    Lizenz:
    CC BY 3.0
    Rechtestatus:
    lizenziert
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    79d40e11e944a187c66db514edab0a69…

    Quellenverzeichnis

    1. [1] Behördendokument BUENOS 05003: Argentina Media Carrying Stories (Subject: Press Comments, Government Agencies, Space Programs, Unidentified Objects Detection) — US-Botschaft Buenos Aires an USICA, NASA und Department of State; NARA RG 615, naId 608863152, 19.06.1980 (freigegeben 10.12.2025) · Depesche mit Pressezitat zur Firewheel-Behauptung und Bitte um NASA-Stellungnahme · Gelesen über die Volltextfassung im Projekt (data/nara-rg615/volltext.json); Metadaten in der State-Department-Übergabeliste TR-0615-2026-0001.
      abgerufen am 06.10.2026
    2. [2] Presse „La noche de las dos lunas“, 30 años después — Factor el Blog (Alejandro Agostinelli), 13.06.2010 · Rekonstruktion: Sichtungsorte, Aeroparque, Deutungen, Identifizierung als Kosmos-1188-Start
      abgerufen am 06.10.2026
    3. [3] Presse 1985: Una oleada OVNI muy sospechosa (Kapitel mit Rückblick auf 1980) — StratoCat (Luis E. Pacheco), abgerufen 06.10.2026 · Einordnung als Raketenstufen-Effekt und Hinweis auf die Mutterschiff-Deutung
      abgerufen am 06.10.2026
    4. [4] Presse Kosmos 1188 — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Startdaten: 14.06.1980, 20:52 UTC, Molnija-M, Plessezk
      abgerufen am 06.10.2026
    5. [5] Presse Ariane L02 — ESA (Bildseite, Credit ESA/CNES/Arianespace), veröffentlicht 2019 · belegt Start und Fehlschlag der Ariane L02 mit Firewheel am 23.05.1980
      abgerufen am 06.10.2026
    6. [6] Presse List of Ariane launches (1979–1989) — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Fehlerursache L02 (Verbrennungsinstabilität der ersten Stufe)
      abgerufen am 06.10.2026
    7. [7] Presse Identifizierung der Erscheinung als Kosmos-1188-Oberstufe — James Oberg (Raumfahrtjournalist), Mai 1981 · erste Zuordnung zum sowjetischen Raketenstart · Originalveröffentlichung nicht eingesehen; Angabe nur laut q2.
      abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt

    Erklärungsansätze

    Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.

    Treibstoffwolke der Oberstufe beim Start von Kosmos 1188 (Molnija-M)

    Vertreten von: James Oberg; StratoCat; Factor el Blog

    Dafür: Start am selben Tag rund eine Stunde vor den Sichtungen; Brennphasen von Oberstufen über der Südhalbkugel erzeugen bekannte, weit sichtbare Leuchtwolken; die Erscheinung war über mehrere Länder gleichzeitig zu sehen.

    Dagegen: Die Bahnrechnung von 1981 wurde hier nicht im Original eingesehen; die Zuordnung beruht auf Sekundärdarstellungen.

    teilweise gestützt

    Experiment „Firewheel“ (künstliche Ionenwolke)

    Vertreten von: argentinische Presse im Juni 1980 (Agenturmeldung); laut q2 auch ein Vertreter der Raumfahrtkommission CNIE

    Dafür: Firewheel war tatsächlich für Ionenfreisetzungen in großer Höhe vorgesehen.

    Dagegen: Die Firewheel-Nutzlast ging beim Ariane-Fehlstart am 23. Mai 1980 verloren und konnte im Juni keine Wolke erzeugen.

    verworfen

    Mutterschiff mit kleineren Erkundungsobjekten

    Vertreten von: Fabio Zerpa und Mitarbeiter (laut q2, q3)

    Dafür: Große Zahl von Zeugen, darunter Fluglotsen; Fotos zeigten mehrere Lichtpunkte.

    Dagegen: Die Mehrfachpunkte auf einem bekannten Foto sind laut q2 Mond, Linsenreflex und die Erscheinung selbst; der Raketenstart erklärt Zeitpunkt und Großräumigkeit.

    verworfen

    Widersprüche & offene Fragen

    • Aussage A: Pressebehauptung: Firewheel-Experiment erzeugte die Erscheinung (Depesche, q1)

      Aussage B: Firewheel ging beim Fehlstart der Ariane L02 am 23.05.1980 verloren (ESA, q5)

      Die in der Depesche zitierte Ankündigung bezog sich auf einen Start am 23. Mai — genau den gescheiterten Flug.

    • Aussage A: Startzeit Kosmos 1188: 20:52 UTC (Wikipedia)

      Aussage B: Startzeit 23:55 Uhr (Factor el Blog)

      Die zweite Angabe entspricht wohl Moskauer Zeit (UTC+3); die Differenz von drei Minuten ist ungeklärt.

    • Aussage A: Lotsen meldeten ein metallisches Objekt im Anflug (laut q2)

      Aussage B: Erscheinung war ein durchscheinender Halo in über 200 km Höhe (q2)

      Typische Fehleinschätzung von Entfernung und Struktur bei großen, leuchtenden Wolken.