28. Oktober 1957, gegen 05:00 Uhr Ortszeit · Kisalon, Nord-Mindanao (laut Attaché-Bericht 8°20′ N, 124°58′ O) · PH
Leuchtobjekt über Kisalon und die Ermittlung des US-Luftwaffenattachés (Mindanao, Oktober 1957)
Zusammenfassung
Am 28. Oktober 1957 gegen 5 Uhr morgens sah ein Jesuitenpater vor seiner Kirche in Kisalon im Norden Mindanaos ein Licht aus Südosten kommen, das sich beim Näherkommen als torpedoförmiges Objekt mit vier Flammenspuren zeigte. Nach seiner Schilderung teilte es sich in zwei Teile mit einer fächerförmigen rötlichen Flamme dazwischen und verschwand fast augenblicklich. Ein Dorfvorsteher berichtete, er und viele Bewohner seien zur selben Zeit von einem unbekannten Geräusch geweckt worden, und ein zweiter Priester im südöstlich gelegenen Linabo sah zur gleichen Stunde ein bewegtes Licht. Das Büro des US-Luftwaffenattachés in Manila erfuhr erst Monate später davon, befragte den Zeugen im Februar 1958 und versuchte eine Luftaufklärung des Gebiets, die an tiefen Wolken und Turbulenzen scheiterte. Die philippinische Luftwaffe und die Constabulary sagten zu, nach Trümmern zu suchen; ein Ergebnis ist in der Akte nicht dokumentiert. Der Attaché führte den Fall wegen der als zuverlässig eingeschätzten Zeugen zunächst als ungeklärt, Project Blue Book stufte ihn dagegen als wahrscheinlich astronomisch (Meteor) ein. Handschriftliche Randnotizen in der Akte erwägen zudem eine zweistufige Rakete aus geheimen Tests im Pazifik.
Evidenzprofil
Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.
Amtliche Bearbeitung
US-Luftwaffenattaché (Befragung, Luftaufklärung), Einbindung von philippinischer Luftwaffe und Constabulary, Bewertung durch Project Blue Book
Herleitung: q1, q2.
Datenlücke: Ergebnis der zugesagten philippinischen Suche nicht in der Akte.
Physische Spuren
keine; die Luftaufklärung scheiterte am Wetter
Herleitung: q1.
Zeitverzug der Ermittlung
knapp vier Monate zwischen Sichtung (28.10.1957) und Befragung (19.02.1958)
Herleitung: q1, q2.
Zeugenlage
zwei Priester an verschiedenen Orten ohne Kenntnis voneinander; ein Dorfvorsteher und Bewohner hörten ein Geräusch
Herleitung: q1, q2.
Datenlücke: Namen in der Akte überwiegend geschwärzt; keine eigenen Aussagen der Dorfbewohner.
Ablauf des Ereignisses
28. Oktober 1957, gegen 05:00 Uhr
Der Hauptzeuge sieht vor seiner Kirche ein Licht aus Südosten, das scheinbar parallel zu einem Bergrücken zieht und sich als torpedoförmiges Objekt mit vier Flammenspuren zeigt. Auf seiner Höhe teilt es sich in zwei Teile mit einer fächerförmigen rötlichen Flamme dazwischen; beide Teile verschwinden fast sofort. [1] [2]
28. Oktober 1957 und folgende Woche
Zwei weitere Personen haben das Objekt gesehen. Ein Dorfvorsteher aus einem Weiler am Bergrücken gibt an, er und viele Bewohner seien gegen 05:00 Uhr von einem unbekannten Geräusch geweckt worden, ohne einen Blitz zu sehen. Ein zweiter Priester in Linabo (8°4′ N, 125°10′ O) hat zur selben Zeit ein bewegtes Licht beobachtet. [1]
Herbst 1957 bis Anfang 1958
Die Meldung gelangt über einen Priester, der in Baguio eine Sternwarte betreibt, zum Luftwaffenattaché, der sie bei einem Routinebesuch im Zusammenhang mit der Operation „Harvest Moon“ aufnimmt. [1]
19. Februar 1958
Mitarbeiter des Attachés befragen den Zeugen vor Ort: Das Objekt sei etwa 1.000 Fuß über dem Bergrücken geflogen und so groß wie eine C-47 erschienen. Eine Luftaufklärung im Umkreis von 30 Meilen scheitert an tiefen Wolken und starken Turbulenzen; Luftwaffe und Constabulary der Philippinen sagen Suchtrupps zu. [1]
5. März 1958
Der Bericht IR-50-58 geht an die US-Luftwaffe; wegen der als hoch eingeschätzten Zuverlässigkeit der Quellen wird der Fall vorläufig als ungeklärt geführt. [1]
1958 (Auswertung bei Project Blue Book)
Die Karteikarte vermerkt „Probably Astronomical (Meteor)“. Handschriftliche Notizen kritisieren die vier Monate verspätete Meldung, betonen die zwei unabhängigen Beobachter und halten das skizzierte Objekt für eine konventionelle zweistufige Rakete, möglicherweise aus geheimen Tests im Pazifik (Verweis auf „Proj. Farside“). [2] [5]
17. Mai 1958
Aus Kisalon kommt eine weitere Meldung: ein sehr helles, silbrig-bläuliches rundes Objekt, das in weniger als einer Minute einen Bogen von 90 Grad zurücklegt. Blue Book bewertet es als Meteor. [3]
Ort
- Leuchtobjekt über Kisalon und die Ermittlung des US-Luftwaffenattachés (Mindanao, Oktober 1957)Kisalon, Nord-Mindanao (laut Attaché-Bericht 8°20′ N, 124°58′ O) · 8.33, 124.97 (±10 km)
Beteiligte
Zeugen
Organisationen
Quellen & Medien
Medien
- Provenienz:
- Wikimedia Commons · Obsidian Soul · Lizenz: CC0 1.0
- Urheber:
- Obsidian Soul
- Lizenz:
- CC0 1.0
- Rechtestatus:
- lizenziert
- Originalquelle:
- https://commons.wikimedia.org/wiki/Special:FilePath/Mount%20Kitanglad%20seen%20from%20Camp%20Philips%2C%20Bukidnon%2001.jpg
- sha256:
- b67a0e76fc4dfb1b63f7f59ae54acb01…
Quellenverzeichnis
- [1] Behördendokument Air Intelligence Information Report IR-50-58: Sighting of Unidentified Flying Object in Mindanao — Office of the Air Attaché, Manila (Major Alfred K. Patterson; genehmigt von Lt. Col. Lowell S. Nickodem), 05.03.1958 (Informationszeitraum 28.10.1957 bis 19.02.1958) · Ermittlungsbericht: Zeugenaussagen, zweiter Beobachter, Luftaufklärung, Einbindung philippinischer Stellen · Teil der Blue-Book-Fallakte (PDF-Seiten 9 bis 11), gemeinfrei über Wikimedia Commons; Original bei NARA (Mikrofilm T-1206).abgerufen am 06.10.2026
- [2] Behördendokument Project 10073 Record Card „Kisalon, Mindanao, 28 October 1957“ mit handschriftlichen Randnotizen — Project Blue Book, US Air Force (ATIC), 1958 (Bewertungsdatum nicht vermerkt) · Abschlussbewertung „Probably Astronomical (Meteor)“; Randnotizen zur Raketen-Hypothese und zur verspäteten Meldung · PDF-Seiten 1 und 10 derselben Fallakte; Randnotizen teilweise schwer lesbar.abgerufen am 06.10.2026
- [3] Behördendokument Project 10073 Record Card „Kisalon, Mindanao, Philippine, 17 May 58“ — Project Blue Book, US Air Force, 1958 · Folgemeldung aus demselben Ort: hell silbrig-bläuliches Objekt, als Meteor bewertetabgerufen am 06.10.2026
- [4] Presse Project BLUE BOOK – Unidentified Flying Objects — U.S. National Archives and Records Administration, abgerufen 06.10.2026 · Bestandsbeschreibung: Fallakten chronologisch geordnet, 12.618 Meldungen 1947–1969, Mikrofilm T-1206abgerufen am 06.10.2026
- [5] Presse Aeronutronics Farside — Directory of U.S. Military Rockets and Missiles (Andreas Parsch), Stand 27.11.2004 · Kontext zur Randnotiz „Proj. Farside“: ballongestartete Höhenforschungsraketen von Eniwetok, letzter Start am 22.10.1957abgerufen am 06.10.2026
Erklärungsansätze
Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.
Feuerkugel (heller Meteor), die beim Eintritt zerbrach
Vertreten von: Project Blue Book (Abschlussbewertung)
Dafür: Sehr schnelle Bewegung, Teilung in zwei Teile und plötzliches Erlöschen passen zu einem zerbrechenden Meteor; das im Dorf gehörte Geräusch könnte ein Überschallknall gewesen sein (redaktionelle Ergänzung).
Dagegen: Dauer und Bahn wurden nicht gemessen; der Attaché hielt den Fall ausdrücklich für ungeklärt; die geschätzte Flughöhe von etwa 1.000 Fuß passt nicht zu einem Meteor.
Zweistufige Rakete aus militärischen Tests
Vertreten von: handschriftliche Randnotiz eines Blue-Book-Bearbeiters
Dafür: Die skizzierte Form mit Flammenspuren und Stufentrennung ähnelt einer Rakete; der Pazifikraum wurde für Raketentests genutzt.
Dagegen: Die Akte ordnet keinen konkreten Start zu; die zitierten Farside-Starts erfolgten vom Eniwetok-Atoll, Tausende Kilometer östlich, und endeten am 22. Oktober 1957 (q5); Blue Book übernahm die Hypothese nicht.
Nicht identifiziertes Flugobjekt
Vertreten von: US-Luftwaffenattaché Manila (vorläufige Einstufung als ungeklärt)
Dafür: Zwei voneinander unabhängige Beobachter an verschiedenen Orten, ein naturwissenschaftlich ausgebildeter Hauptzeuge und ein gleichzeitig gehörtes Geräusch im Dorf.
Dagegen: Befragung erst Monate später, keine Messdaten, keine gefundenen Trümmer; die Beschreibung lässt konventionelle Erklärungen zu.
Widersprüche & offene Fragen
Aussage A: Randnotiz: Objekt gleiche einer konventionellen zweistufigen Rakete (q2)
Aussage B: Abschlussbewertung Meteor auf derselben Akte (q2)
Zwei konkurrierende Deutungen innerhalb der amtlichen Bearbeitung.
Aussage A: Attaché: wegen zuverlässiger Quellen vorläufig „unknown pending further information“ (q1)
Aussage B: Blue Book: „Probably Astronomical (Meteor)“ (q2)
Die Akte begründet die Umstufung nicht näher; vermerkt ist nur Kritik an der späten Meldung.
Aussage A: Flughöhe etwa 1.000 Fuß über dem Bergrücken, scheinbare Größe einer C-47 (q1)
Aussage B: Einstufung als Meteor (q2)
Eine Meteor-Deutung setzt eine weit größere Höhe voraus; nächtliche Höhenschätzungen ohne Bezugspunkt sind allerdings unsicher (redaktionelle Einordnung).