Zum Inhalt springen
UAPpedia

ab Dezember 1981 (Häufung bis 1984); Feldkampagne 21.01.–26.02.1984; Messungen bis heute · Hessdalen, Gemeinde Holtålen · NO

Die Hessdalen-Lichter (Norwegen, ab 1981)

Status: fortlaufende wissenschaftliche Untersuchung (Project Hessdalen, Hochschule Østfold, italienische Partner) — ungeklärt [1]Bearbeitungsstand: Redaktionell geprüftwiederkehrendes-phaenomenlichterscheinungradarfeldforschungplasmageophysik

Zusammenfassung

Im Hessdalen, einem rund 12 bis 15 Kilometer langen Tal nördlich von Røros, meldeten Anwohner ab Dezember 1981 gehäuft unerklärte Lichter, zeitweise bis zu 20 Beobachtungen pro Woche. Die 1983 gegründete Initiative Project Hessdalen führte vom 21. Januar bis 26. Februar 1984 eine instrumentierte Feldkampagne mit Radar, Magnetometer, Spektrumanalysator und Kameras durch. Von 188 Meldungen ordnete sie 135 bekannten Lichtquellen zu, 53 dem eigentlichen Phänomen. Seit 1998 betreibt die Hochschule Østfold eine automatische Messstation; italienische Forscher ergänzten ab 2000 Messkampagnen. Diskutiert werden Plasma- und Staubmodelle, geologische und elektrochemische Ursachen sowie Fehldeutungen von Fahrzeug- und Flugzeuglichtern. Eine anerkannte Gesamterklärung gibt es nicht.

Evidenzprofil

Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.

Anteil bekannter Lichtquellen 1984

135 von 188 Meldungen als bekannte Lichter eingestuft, 53 als Hessdalen-Phänomen

Herleitung: Tabelle 3.1 im Abschlussbericht (q1).

Instrumentelle Daten

Radar, Magnetometer, Spektren, Fotos; seit 1998 automatische Messstation

Herleitung: q1, q3, q9.

Datenlücke: Nur wenige Ereignisse mit gleichzeitiger Radar- und Sichtbeobachtung (1984: drei von 36 Radaraufzeichnungen).

Wiederholbarkeit

wiederkehrend, seit Ende 1984 etwa 20 Meldungen pro Jahr

Herleitung: q2; Rückgang auch in q9 beschrieben.

Wissenschaftliche Begleitung

Hochschule Østfold, italienischer Forschungsrat CNR, Fachaufsätze bis 2024

Herleitung: q3–q6.

Datenlücke: Ein Teil der Arbeiten sind Tagungsbeiträge ohne volles Peer-Review.

Ablauf des Ereignisses

  1. Dezember 1981

    Anwohner des Hessdalen beginnen, häufig unerklärte Lichter zu melden — weiße oder gelbe Lichter, kurze Blitze und Lichtgruppen, meist unterhalb der Berggipfel. [1] [2]

  2. 1982–1984

    Phase hoher Aktivität mit zeitweise bis zu 20 Meldungen pro Woche. [2] [9]

  3. 03.06.1983

    Gründung von Project Hessdalen; Ziel ist eine instrumentierte Untersuchung unter Beteiligung etablierter Forschungseinrichtungen. [1] [2]

  4. 21.01.–26.02.1984

    Feldkampagne mit Radar, Magnetometer, Seismograf, Spektrumanalysator, Gitterkameras, Geigerzähler und Laser. Am 27. Januar registriert das Radar ein Echo, für das eine Geschwindigkeit von rund 8.500 m/s errechnet wird. [1]

  5. Sommer/Ende 1984

    Die Meldungen gehen auf rund 20 pro Jahr zurück. [2]

  6. 1998–2002

    Die Hochschule Østfold richtet eine automatische Messstation im Tal ein; italienische Forscher (EMBLA-Programm) führen ergänzende Kampagnen durch. [3] [9]

  7. 2014–2024

    Geophysikalische Kampagnen kartieren magnetische Anomalien und leitfähige Sulfidzonen im Untergrund des Tals. [4] [6]

Ort

Hessdalen, Gemeinde Holtålen — vereinfachte Weltkarte (Natural Earth). Die interaktive Karte mit Zoom lädt nach Ihrer Zustimmung oben; alle Fallorte stehen zusätzlich als Liste bereit.

Beteiligte

Zeugen

Organisationen

    Quellen & Medien

    Medien

    Hessdalen im Winter, 1953 — Talansicht lange vor der Häufung der Lichtmeldungen
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · unbekannt (Billedbladet NÅ, Riksarkivet/Arkivverket) · Lizenz: CC BY-SA 4.0
    Urheber:
    unbekannt (Billedbladet NÅ, Riksarkivet/Arkivverket)
    Lizenz:
    CC BY-SA 4.0
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    16d58980ec483df69c15c1bbcefa6d30…
    Hessdalen, Bergdorf mit verlassenen Höfen, 1953
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · unbekannt (Billedbladet NÅ, Riksarkivet/Arkivverket) · Lizenz: CC BY-SA 4.0
    Urheber:
    unbekannt (Billedbladet NÅ, Riksarkivet/Arkivverket)
    Lizenz:
    CC BY-SA 4.0
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    010d38cd2da6a3e1941b225b09f752a1…

    Quellenverzeichnis

    1. [1] Literatur Project Hessdalen 1984 — Final Technical Report — Project Hessdalen (Erling Strand), 1985 (Feldkampagne 1984) · Abschlussbericht der Feldkampagne mit Messprotokollen · Erscheinungsjahr 1985 nach Teodorani (2004), der „Strand, 1985“ zitiert.
      abgerufen am 06.10.2026
    2. [2] Presse Project Hessdalen (Projektgeschichte) — Project Hessdalen, April 2002 · Darstellung von Beginn, Häufigkeit und Projektgründung durch das Projekt selbst
      abgerufen am 06.10.2026
    3. [3] Literatur A Long-Term Scientific Survey of the Hessdalen Phenomenon — Massimo Teodorani (CNR, Istituto di Radioastronomia), Journal of Scientific Exploration 18(2), S. 217–251, 2004 · Auswertung der EMBLA-Kampagnen; Strahlungsleistung bis 19 kW
      abgerufen am 06.10.2026
    4. [4] Literatur Magnetic influence on the unidentified luminous phenomena in Hessdalen, Norway — Hauge, Kjøniksen, Strand (Hochschule Østfold), Zlotnicki, Vargemezis — EGU General Assembly 2016, EGU2016-7638-4, 2016 · Tagungsbeitrag: spiralförmige Bewegungen, magnetische Anomalien
      abgerufen am 06.10.2026
    5. [5] Literatur Optical luminosity of the transient luminous phenomena in Hessdalen, Norway — Hauge, Kjøniksen, Strand (Hochschule Østfold) — EGU General Assembly 2017, EGU2017-8468-4, 2017 · Tagungsbeitrag: Spektren aus höchstens 500 m Entfernung, Leuchtkraft meist geringer als angenommen
      abgerufen am 06.10.2026
    6. [6] Literatur Contribution of VLF electromagnetic survey to the investigation of Hessdalen lights (Norway) — Vargemezis, Zlotnicki, Hauge, Kjøniksen, Strand — Journal of Applied Geophysics 226, 105398, 2024 · geophysische Kartierung leitfähiger Sulfidzonen im Tal
      abgerufen am 06.10.2026
    7. [7] Literatur A hypothetical dusty plasma mechanism of Hessdalen lights — G. S. Paiva, C. A. Taft — Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics 72(16), S. 1200–1203, 2010 · theoretisches Modell (staubiges Plasma, Radonzerfall) · DOI 10.1016/j.jastp.2010.07.022; nur Abstract-Angaben aus der Suche, Volltext nicht gelesen.
      abgerufen am 06.10.2026
    8. [8] Literatur A rebuttal of the EMBLA 2002 report on the optical survey in Hessdalen — Matteo Leone (Comitato Italiano per il Progetto Hessdalen), 2003 · Gegenanalyse: Deutung von EMBLA-2002-Daten durch bekannte Lichtquellen (u. a. Autoscheinwerfer) · Nur Verzeichniseintrag gesehen, Volltext nicht gelesen; Gegenschrift von Teodorani existiert (Research-Gate-Eintrag).
      abgerufen am 06.10.2026
    9. [9] Presse Hessdalen lights — Wikipedia (englisch), abgerufen 06.10.2026 · Übersichtsdarstellung mit Belegapparat (Hypothesen, Messstation, EMBLA)
      abgerufen am 06.10.2026

    Erklärungsansätze

    Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.

    Fehlidentifikation bekannter Lichtquellen (Flugzeuge, Fahrzeuge, Himmelskörper)

    Vertreten von: Project Hessdalen selbst für einen Großteil der Meldungen; Matteo Leone (2003) für EMBLA-2002-Daten

    Dafür: Schon 1984 wurden 135 von 188 Meldungen als bekannte Lichter eingestuft; im Protokoll sind zahlreiche Flugzeuge verzeichnet, auch unmittelbar vor dem schnellen Radarecho vom 27. Januar.

    Dagegen: Erklärt nicht die Messungen, bei denen Radar, Magnetometer und Sichtbeobachtung zusammenfallen; Teodorani bestreitet, dass die Spektren von 2002 zu Autoscheinwerfern passen.

    teilweise gestützt

    Staubiges Plasma, angeregt durch Radonzerfall

    Vertreten von: G. S. Paiva und C. A. Taft (2010)

    Dafür: Physikalisch formuliertes Modell, das Schwingungen, Clusterbildung und Spektrum der Lichter erklären soll.

    Dagegen: Theoretischer Ansatz ohne direkte Messung im Tal; nicht unabhängig bestätigt.

    diskutiert

    Geologisch-elektrochemische Ursache (Sulfidlagerstätten, Grubenwasser, Batterie-Modell)

    Vertreten von: Teodorani (elektrochemisches Modell, 2004); Monari (2014); Forschergruppe der Hochschule Østfold

    Dafür: Im Tal liegen alte Kupfer- und Schwefelgruben, ein saurer Fluss und kartierte leitfähige Zonen; Leuchterscheinungen fielen 1984 oft mit magnetischen Störungen zusammen.

    Dagegen: Der Mechanismus, der aus diesen Bedingungen frei schwebende Lichter erzeugt, ist nicht nachgewiesen.

    diskutiert

    Verbrennung von Staub aus dem Bergbau (u. a. mit Scandium)

    Vertreten von: in der Übersichtsliteratur genannte Hypothese

    Dafür: Spektralaufnahmen sollen Elemente zeigen, die im Tal vorkommen.

    Dagegen: Für dieses Dossier nur über die Übersichtsliteratur erschlossen; Primärarbeit nicht geprüft.

    diskutiert

    Widersprüche & offene Fragen

    • Aussage A: Spekulationen über Strahlungsleistungen bis 1 MW (EMBLA-2002-Bericht: bis 100 kW)

      Aussage B: 19 kW nach Teodorani (2004); Hauge et al. (2017): meist deutlich geringer

      Die Spanne ergibt sich laut Hauge et al. aus der unsicheren Entfernungsbestimmung. Leistungsangaben sind daher nur mit Entfernungsangabe vergleichbar.

    • Aussage A: Abschlussbericht 1984: vier verwertbare Spektralaufnahmen

      Aussage B: Projektgeschichte 2002: drei auswertbare Aufnahmen

      Geringfügige Abweichung zwischen zwei Darstellungen desselben Projekts; beide beschreiben ein kontinuierliches Spektrum ohne Linien.

    • Aussage A: Beginn des Phänomens im Dezember 1981

      Aussage B: Hinweise auf ältere Berichte (Übersichtsliteratur: seit mindestens den 1930er-Jahren; Hauge 2017: angeblich 200 Jahre)

      Dezember 1981 markiert den Beginn der dokumentierten Häufung, nicht zwingend das erste Auftreten. Die älteren Berichte sind nicht geprüft.