Zum Inhalt springen
UAPpedia

5./6. August 1952, ca. 23:30–00:30 Ortszeit · Tokioter Bucht nordöstlich von Haneda (ungefähre Lage) · JP

Licht- und Radarbeobachtung über der Tokioter Bucht (Haneda, August 1952)

Status: Project Blue Book: „Unknown“; Condon-Studie 1969: wahrscheinlich Stern Capella plus anomale Radarausbreitung — von McDonald bestritten [1]Bearbeitungsstand: Redaktionell geprüftluftwafferadarabfangjaegerblue-bookcondon-reportbehoerdenakte

Zusammenfassung

In der Nacht vom 5. auf den 6. August 1952 beobachteten Turmlotsen der US-Luftwaffenbasis Haneda bei Tokio rund eine Stunde lang ein helles, rundes Licht im Nordosten über der Tokioter Bucht. Auch der Kontrollturm der Basis Tachikawa meldete ein helles Licht über der Bucht. Eine Radarstation der Luftverteidigung in Shiroi erfasste ein Ziel, ein Abfangjäger vom Typ F-94 wurde gestartet und hatte nach Angaben seines Radarbedieners rund 90 Sekunden einen Radarkontakt, ohne Sichtkontakt. Project Blue Book führte den Fall als „Unknown“. Die von der US-Luftwaffe finanzierte Condon-Studie erklärte ihn 1969 mit einem optisch verzerrten Stern (Capella) und anomaler Radarausbreitung; der Physiker James McDonald widersprach dieser Deutung ausdrücklich.

Evidenzprofil

Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.

Aktenlage

vollständige Blue-Book-Fallakte als gemeinfreier Scan

Herleitung: q1

Dauer

visuell ca. 50–60 Minuten; Radarkontakt der F-94 ca. 90 Sekunden

Herleitung: q1, q2

Sensorik

Bodenradar (CPS-1) und Bordradar der F-94

Herleitung: q2, q3

Datenlücke: keine Radarfilme oder Plots öffentlich; nur Aussagen in der Akte

Zeugenlage

Militärpersonal an zwei Kontrolltürmen, Radarlotsen, F-94-Besatzung

Herleitung: q1–q3

Ablauf des Ereignisses

  1. 5. August 1952, ca. 23:30

    Zwei Soldaten auf dem Weg zum Kontrollturm der Basis Haneda bemerken ein auffallend helles Licht im Nordosten; die Turmbesatzung beobachtet es danach mit 7×50-Ferngläsern. [1] [2] [4]

  2. ca. 23:30–00:30

    Die Lotsen beschreiben ein rundes Licht konstanter Helligkeit vor einer etwa viermal größeren dunklen Form mit kleineren Lichtern am unteren Rand. Das Licht verblasst zweimal und kehrt zurück. [1] [2]

  3. ca. 23:50

    Der Kontrollturm der Basis Tachikawa, rund 35 km westnordwestlich, ruft Haneda wegen eines hellen weißen Lichts über der Tokioter Bucht an. [3]

  4. ab ca. 23:45

    Ein neuer Lotse der Radarstation Shiroi meint, das Ziel erfasst zu haben; es kreist mit wechselnder Geschwindigkeit. Um 00:12 soll es sich in drei kleinere Echos aufgeteilt haben. [2] [4]

  5. 6. August 1952, ab ca. 00:03

    Eine F-94 wird gestartet. Ihr Radarbediener meldet einen kurzen Kontakt, der sich schnell von links nach rechts bewegt und nach etwa 90 Sekunden verschwindet; Sichtkontakt gibt es nicht. [2] [3] [4]

  6. 1952 bzw. 1969

    Project Blue Book stuft den Fall als ungeklärt ein. Die Condon-Studie hält 1969 eine optisch verzerrte Capella und anomale Radarausbreitung für die wahrscheinlichste Ursache. [1] [2]

Ort

Tokioter Bucht nordöstlich von Haneda (ungefähre Lage) — vereinfachte Weltkarte (Natural Earth). Die interaktive Karte mit Zoom lädt nach Ihrer Zustimmung oben; alle Fallorte stehen zusätzlich als Liste bereit.

Beteiligte

Zeugen

Organisationen

    Quellen & Medien

    Medien

    Lockheed F-94C-1-LO Starfire 51-5641
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · United States Department of Defense · Lizenz: Public domain (PD-USGov-Military-Air Force)
    Urheber:
    United States Department of Defense
    Lizenz:
    Public domain (PD-USGov-Military-Air Force)
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    aa2b406d7d206e76e29337eb896d75aa…
    Haneda Airport Control Tower in 1950s
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · unbekannt · Lizenz: Public domain (PD-Japan-oldphoto/PD-Japan-organization; in den USA PD-1996 laut Commons). Quelle: Mainichi-Band, Urheber unbekannt
    Urheber:
    unbekannt
    Lizenz:
    Public domain (PD-Japan-oldphoto/PD-Japan-organization; in den USA PD-1996 laut Commons). Quelle: Mainichi-Band, Urheber unbekannt
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    82cf104e42dfbe03a6b0d7f7e9ca2078…

    Project Blue Book report – 1952-08 Haneda AFB, Japan

    Dokument herunterladen ↓
    Provenienz:
    upload.wikimedia.org · US Air Force, Project Blue Book · Lizenz: Public domain (PD-USGov, Werk der US-Bundesregierung)
    Urheber:
    US Air Force, Project Blue Book
    Lizenz:
    Public domain (PD-USGov, Werk der US-Bundesregierung)
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
    2b1be919eb5ed7c1768a5829198e07e0…

    Quellenverzeichnis

    1. [1] Behördendokument Project Blue Book report — 1952-08-6997086-HanedaAFB-Japan (Fallakte) — US Air Force, Project Blue Book (Kopie der NARA-Mikrofilme auf Wikimedia Commons), August 1952 (Akte), 15 Seiten · Projektkarte, Air Intelligence Information Reports, Aussagen der Turmlotsen; Einstufung „Unknown“ · Scan teils schwer lesbar; Inhalte über die Volltextauszüge in q2 und q3 gegengeprüft. Namen von Mannschaftsdienstgraden werden hier nicht genannt.
      abgerufen am 06.10.2026
    2. [2] Literatur Scientific Study of Unidentified Flying Objects, Sec. III, Ch. 5: Optical and Radar Analyses of Field Cases (Fall 237-B) — University of Colorado (Condon-Studie), Kapitel von Gordon D. Thayer; Online-Text NCAS, 1969 · Fallanalyse mit Wetterangaben, Zeitachse der Radarkontakte und Erklärung Capella/anomale Ausbreitung
      abgerufen am 06.10.2026
    3. [3] Literatur Science in Default: Twenty-Two Years of Inadequate UFO Investigations (Fall 3: Haneda AFB) — James E. McDonald, Vortrag beim AAAS-Symposium, Boston, 27.12.1969 · Gegenanalyse: Tachikawa-Sichtung, Lage der Radarstation Shiroi, Kritik an der Condon-Deutung
      abgerufen am 06.10.2026
    4. [4] Presse The Haneda AFB case, Japan, August 5, 1952 — Blue Book records — Patrick Gross (Webarchiv „UFOs at close sight“), o. D., abgerufen 06.10.2026 · Abschrift der Blue-Book-Zusammenfassung (Zeiten 23:30, 23:45, 00:03, 00:12)
      abgerufen am 06.10.2026

    Erklärungsansätze

    Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.

    Optisch verzerrter heller Stern (Capella) und anomale Radarausbreitung

    Vertreten von: Gordon D. Thayer in der Condon-Studie (1969)

    Dafür: Capella stand um Mitternacht etwa 8° hoch im Nordosten. Radarziele verschwanden und tauchten wieder auf, zerfielen in kleinere Echos und passten nicht eindeutig zwischen Boden- und Bordradar zusammen. Ein landender C-54-Pilot hielt das Licht für einen hellen Stern.

    Dagegen: Der Stern erklärt die beschriebene dunkle Form mit Randlichtern nur über einen seltenen, nicht belegten Beugungseffekt. Vollständige Wetterdaten fehlten auch der Studie.

    diskutiert

    Nicht identifiziertes, gesteuertes Flugobjekt

    Vertreten von: James E. McDonald (Atmosphärenphysiker, 1969)

    Dafür: Zwei Kontrolltürme sahen das Licht aus verschiedenen Richtungen; McDonald hält die Übereinstimmung zwischen Bodenradar und F-94-Radar für das gewichtigste Merkmal.

    Dagegen: Weder die F-94-Besatzung noch die Beobachter in Shiroi sahen etwas, obwohl die Sicht sehr gut war. Die Zeitangaben zu den Radarkontakten widersprechen sich in der Akte.

    offen

    Wetterballon

    Vertreten von: in der Blue-Book-Akte geprüft

    Dafür: Während des Vorfalls wurde auf der Basis ein Wetterballon gestartet.

    Dagegen: Laut Akte war das Licht des Ballons deutlich schwächer als das beobachtete Objekt.

    verworfen

    Widersprüche & offene Fragen

    • Aussage A: Radarbediener der F-94: Kontakt ab 00:16, nach ca. 90 Sekunden verloren (q2)

      Aussage B: Lotse in Shiroi: Kontakt der F-94 von 00:25 bis 00:28 (q2)

      Die Condon-Studie nennt die Zeitachse selbst „verwirrt“; ob Boden- und Bordradar dasselbe Ziel sahen, bleibt offen.

    • Aussage A: Blue Book: „Unknown“ (q1)

      Aussage B: Condon-Studie: wahrscheinlich Stern plus Radarausbreitung (q2)

      McDonald (q3) bestreitet alle vier Argumente der Condon-Studie für anomale Ausbreitung. Eine abschließende amtliche Neubewertung ist nicht bekannt.

    • Aussage A: Haneda: Licht im Nordosten (q1, q2)

      Aussage B: Tachikawa: Licht „über der Tokioter Bucht“ (q3)

      McDonald leitet daraus eine Kreuzpeilung über der nördlichen Bucht ab; die Condon-Studie schließt aus der fehlenden Sichtung in Shiroi auf eine große Entfernung.