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15. bis 17. Juni 1968 (Lichtermeldungen schon seit dem Frühjahr) · Küstengewässer an der DMZ bei Cồn Cỏ (Tiger Island), Provinz Quảng Trị · VN

Lichter über der Entmilitarisierten Zone und der Beschuss der HMAS Hobart (Vietnam, Juni 1968)

Status: Beschuss der Schiffe von einer Untersuchung der 7. US-Flotte als Eigenbeschuss durch USAF-F-4 eingestuft; Herkunft der gemeldeten Lichter und Luftfahrzeuge ungeklärt [2]Bearbeitungsstand: Redaktionell geprüftmilitaermarineluftwafferadarlichterscheinungbehoerdenakteeigenbeschussvietnamkrieg

Zusammenfassung

Im Frühjahr 1968 meldeten US-Marines und andere Beobachter nachts schwebende Lichter nördlich der Entmilitarisierten Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südvietnam und über dem Meer in Richtung der nordvietnamesischen Insel Cồn Cỏ (Tiger Island). Laut Lagebericht der III Marine Amphibious Force wurden am späten Abend des 15. Juni rund 15 unbekannte Luftfahrzeuge gesichtet, die man für feindliche Hubschrauber hielt; danach folgten zahlreiche Sicht- und Radarmeldungen langsamer Objekte. In den beiden folgenden Nächten wurden das Schnellboot PCF-19 versenkt und die australische HMAS Hobart, die USS Boston und die USS Edson aus der Luft beschossen. Auf der Hobart starben zwei Seeleute; Raketentrümmer an Bord stammten von US-Luft-Luft-Raketen des Typs Sparrow, abgefeuert von F-4-Phantoms der US Air Force. Eine Untersuchung der 7. US-Flotte wertete die Angriffe auf die Schiffe als Eigenbeschuss und ordnete auch den Verlust von PCF-19 so ein, was der Direktor des Naval History and Heritage Command 2018 infrage stellte. Weder Hubschrauberwracks noch andere harte Belege für die gemeldeten Luftfahrzeuge wurden gefunden, sodass die Herkunft der Lichter ungeklärt blieb. Spätere UFO-Autoren deuteten die Ereignisse als UFO-Begegnung, während Marinehistoriker Fehlidentifikationen und einen möglichen Einsatz nordvietnamesischer Hubschrauber diskutieren.

Evidenzprofil

Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.

Amtliche Bearbeitung

Untersuchung der 7. US-Flotte (Eigenbeschuss), Lagebericht der III MAF, spätere Neubewertung durch das NHHC

Herleitung: q1, q2.

Datenlücke: Der Untersuchungsbericht selbst wurde nicht eingesehen.

Physische Spuren

Sparrow-Trümmer auf Hobart und Boston; Wrack von PCF-19 mit zwei Einschusslöchern; keine Hubschrauberteile

Herleitung: q2, q5.

Sensordaten

Radar- und Nachtsichtkontakte gemeldet (Landposten, Schiffe); keine veröffentlichten Radaraufzeichnungen

Herleitung: q1, q2.

Datenlücke: Originalprotokolle der Radarstationen nicht eingesehen.

Zeugenlage

Marines und Beobachtungsposten an der DMZ, Bootsbesatzungen (PCF-12), Schiffsbesatzungen

Herleitung: q1, q2, q4.

Datenlücke: Einzelaussagen der Beobachter vom 15. Juni sind nicht veröffentlicht.

Ablauf des Ereignisses

  1. Frühjahr 1968

    Marines und andere Beobachter melden nachts schwebende Lichter nördlich der DMZ und über dem Wasser Richtung Tiger Island; in der Truppe heißen sie scherzhaft „UFOs“. Aufklärungsflüge bei Tag finden keine Hubschrauber, und die Nachrichtendienste haben keine Hinweise auf nordvietnamesische Hubschraubereinsätze in diesem Gebiet. [2]

  2. 15. Juni 1968, später Abend

    Rund 15 unbekannte Luftfahrzeuge, vermutlich feindliche Hubschrauber, werden im Bereich der DMZ gemeldet. Danach folgen zahlreiche Sicht- und Radarmeldungen langsamer Objekte über der DMZ und seewärts Richtung Tiger Island; harte Belege liegen laut Lagebericht nicht vor. [1] [6]

  3. Nacht 15./16. Juni 1968, kurz nach Mitternacht

    Das Schnellboot PCF-19 wird südlich der DMZ von zwei Geschossen getroffen und sinkt; vier US-Seeleute und ein südvietnamesischer Verbindungsmann kommen ums Leben. Die Besatzung des herbeigeeilten PCF-12 schildert ein Feuergefecht mit Hubschraubern; ein Beobachtungsposten an Land hat Radar- und Nachtsichtkontakt zu Luftfahrzeugen ohne Freund-Feind-Kennung. [2]

  4. 17. Juni 1968, ab 03:09 Uhr

    HMAS Hobart erfasst bei Tiger Island ein anfliegendes Flugzeug ohne aktive Kennung, das in mehreren Anflügen Raketen abfeuert; zwei Seeleute sterben, weitere werden verletzt. Auch USS Boston (q2) und laut RAN-Darstellung USS Edson (q5) melden Beschuss aus der Luft; die Hobart vertreibt den Angreifer mit fünf Schuss aus dem vorderen Geschütz. [2] [3] [5]

  5. nach dem 17. Juni 1968

    Die Untersuchung unter dem Befehlshaber der 7. Flotte, Vizeadmiral William F. Bringle, weist anhand von Trümmern US-Sparrow-Raketen nach und wertet die Angriffe auf die Schiffe als Eigenbeschuss durch F-4 der US Air Force; auch PCF-19 wird diesem Eigenbeschuss zugeordnet. Die Hobart wird in Subic Bay (Philippinen) repariert. [2] [5]

  6. um den 24. Juni 1968 (Bericht der Melbourne Sun)

    Laut einem Bericht der Melbourne Sun melden Radarleute in der Provinz Quảng Trị erneut Sichtungen; das US-Kommando weist Jagdbomber und Artillerie an, nicht mehr darauf zu feuern. [6] [8]

  7. Juni 2018

    NHHC-Direktor Samuel J. Cox nennt die Aussagen der PCF-12-Besatzung bemerkenswert klar und schreibt, die Untersuchung habe PCF-19 wegen verwirrender Zeitabläufe dem Eigenbeschuss zugeschlagen; die nächtlichen Lichter bleiben in seiner Darstellung unerklärt. [2]

Ort

Küstengewässer an der DMZ bei Cồn Cỏ (Tiger Island), Provinz Quảng Trị — vereinfachte Weltkarte (Natural Earth). Die interaktive Karte mit Zoom lädt nach Ihrer Zustimmung oben; alle Fallorte stehen zusätzlich als Liste bereit.

Beteiligte

Zeugen

Organisationen

    Quellen & Medien

    Medien

    HMAS Hobart in the Gulf of Tonkin during Operation Sea Dragon
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · RAN Public Relations · Lizenz: CC0 1.0 (laut Commons; Quelle Australian War Memorial C349396)
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    RAN Public Relations
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    CC0 1.0 (laut Commons; Quelle Australian War Memorial C349396)
    Rechtestatus:
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    HMAS Hobart missile damage 1
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · Peter4Truth (Aufnahme von Cmdr. R. J. Varley, 17.06.1968) · Lizenz: CC BY 3.0
    Urheber:
    Peter4Truth (Aufnahme von Cmdr. R. J. Varley, 17.06.1968)
    Lizenz:
    CC BY 3.0
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    HMAS Hobart missile damage 2
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    Wikimedia Commons · Peter4Truth (Aufnahme von Cmdr. R. J. Varley, 17.06.1968) · Lizenz: CC BY 3.0
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    Peter4Truth (Aufnahme von Cmdr. R. J. Varley, 17.06.1968)
    Lizenz:
    CC BY 3.0
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    PCF-94 Fast Coastal Patrol Boat in Vietnam
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · US Navy · Lizenz: Gemeinfrei (US-Navy-Foto USN 1130649; auf Commons als Public Domain Mark)
    Urheber:
    US Navy
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    Gemeinfrei (US-Navy-Foto USN 1130649; auf Commons als Public Domain Mark)
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    Con Co Island S2-2023
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    Wikimedia Commons · ESA Copernicus Sentinel-2 · Lizenz: Copernicus-Sentinel-Daten 2023, frei nutzbar mit Namensnennung (Commons: Attribution)
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    Copernicus-Sentinel-Daten 2023, frei nutzbar mit Namensnennung (Commons: Attribution)
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    lizenziert
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    Quellenverzeichnis

    1. [1] Behördendokument Command Chronology June 1968, Enclosure (1), S. 17 (Intelligence Summary) — III Marine Amphibious Force (US Marine Corps), Juni 1968 (deklassifiziert) · Amtliche Lagezusammenfassung: rund 15 unbekannte Luftfahrzeuge am 15. Juni, danach zahlreiche Sicht- und Radarmeldungen, keine harten Belege · Sechsseitiger Auszug als Kopie bei project1947.com eingesehen; vollständige Chronologie (USMC History Division bzw. NARA) nicht selbst geprüft.
      abgerufen am 06.10.2026
    2. [2] Behördendokument H-019-1: The Mystery of PCF-19 (H-Gram 019, Attachment 1) — Naval History and Heritage Command (Samuel J. Cox, Direktor), Juni 2018 (online seit 08.05.2019) · Amtliche Marinegeschichte: Lichter seit dem Frühjahr 1968, Untergang von PCF-19, Angriffe auf Hobart und Boston, Untersuchungsergebnis und Kritik daran
      abgerufen am 06.10.2026
    3. [3] Presse Occasional Paper 30: HMAS Hobart — Naval Historical Society of Australia, 20.05.2025 · Ablauf des Angriffs vom 17. Juni 1968 aus Sicht der australischen Marinegeschichte
      abgerufen am 06.10.2026
    4. [4] Presse HMAS Hobart in Vietnam — Harry Daish (1968 Lieutenant und Wachhabender im Operationsraum der HMAS Hobart), navalofficer.com.au, undatiert (abgerufen 06.10.2026) · Erinnerungsbericht eines Beteiligten: Auftrag zur Hubschrauberjagd, Zuordnung der Raketen zu zwei USAF-Geschwadern, Kritik an fehlender Aufarbeitung
      abgerufen am 06.10.2026
    5. [5] Presse Australian Navy Ship HMAS Hobart Damaged During UFO Encounter? (UFO Historical Revue #14) — Project 1947 (Fund des Chronologie-Auszugs: Barry Greenwood), undatiert · Gibt die Schiffsgeschichte der Royal Australian Navy wieder und stellt den Chronologie-Auszug in einen UFO-Zusammenhang
      abgerufen am 06.10.2026
    6. [6] Presse HMAS Hobart hit during Vietnam UFO encounter? (AUFORN Special Report, Issue 34) — Jon Wyatt / AUFORN, wiedergegeben auf ufoevidence.org, April 2003 · UFO-Deutung des Vorfalls; nennt rund 30 Lichter und sieben Verletzte und zitiert einen Bericht der Melbourne Sun
      abgerufen am 06.10.2026
    7. [7] Behördendokument Schiffsgeschichte HMAS Hobart (II) — Royal Australian Navy, undatiert · Offizielle Darstellung des Angriffs, US-Herkunft der Raketentrümmer, Reparatur in Subic Bay · Die Seite navy.gov.au/hmas-hobart-ii war beim Abruf nicht erreichbar (Zeitüberschreitung); Wortlaut nur über q5 eingesehen.
      abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt
    8. [8] Presse Bericht über weitere Radarsichtungen in der Provinz Quảng Trị — The Sun (Melbourne), 24.06.1968, S. 2 (laut Quellenliste in q6) · Zeitgenössische Presse: erneute Sichtungen, Feuerverbot für Jagdbomber und Artillerie · Nicht selbst eingesehen; Datum und Seite nach q6, Titel unbekannt.
      abgerufen am 06.10.2026keine Online-Fundstelle hinterlegt

    Erklärungsansätze

    Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.

    Nordvietnamesische Hubschrauber (Mi-4) im Grenzgebiet

    Vertreten von: zeitgenössische Lagebeurteilung der US-Truppen; Besatzung von PCF-12; Jim Steffes (Buch „Swift Boat Down“, 2006, laut q2)

    Dafür: Die PCF-12-Besatzung schildert Maschinengewehrfeuer aus der Luft; ein Landposten hatte Radar- und Nachtsichtkontakt zu Luftfahrzeugen ohne Kennung; Nordvietnam besaß sowjetische Mi-4-Hubschrauber.

    Dagegen: Keine Wrackteile trotz gemeldeten Treffers; Tagaufklärung und Nachrichtendienste fanden keine Hinweise auf Hubschraubereinsätze an der DMZ; offen ist, warum Hubschrauber mit eingeschalteten Lichtern geflogen sein sollten.

    diskutiert

    Eigenbeschuss durch USAF-F-4 bei der Jagd auf vermeintliche Hubschrauber

    Vertreten von: Untersuchung der 7. US-Flotte; Royal Australian Navy

    Dafür: Trümmer von US-Sparrow-Raketen an Bord von Hobart und Boston; die Jäger waren zur Bekämpfung gemeldeter Hubschrauber eingesetzt. Laut AUFORN-Bericht konnten auf dem F-4-Radar ein Schiff und ein langsamer, tief fliegender Hubschrauber ähnlich erscheinen.

    Dagegen: Erklärt die Treffer auf Hobart und Boston, nicht aber die zuvor gemeldeten Lichter; die Zuordnung von PCF-19 zum Eigenbeschuss hält die NHHC-Darstellung für zweifelhaft.

    teilweise gestützt

    Optische und Radar-Täuschungen (etwa atmosphärische Ausbreitungseffekte)

    Vertreten von: zeitgenössische Erklärungsversuche, in q2 als „thermal ducting“ erwähnt

    Dafür: Lichter und Radarziele ohne greifbares Luftfahrzeug; die Nächte um den 16./17. Juni waren laut einem Beteiligten mondlos und sehr dunkel (q4).

    Dagegen: Konkrete Wetter- oder Radardaten sind nicht veröffentlicht; die These erklärt nicht das von PCF-12 geschilderte Feuer.

    diskutiert

    Unbekannte Flugobjekte im engeren Sinn (UFO-Deutung)

    Vertreten von: Jon Wyatt (AUFORN, 2003); Project 1947 (Chronologie-Fund von Barry Greenwood)

    Dafür: Der amtliche Lagebericht spricht selbst von „UFO's“ und fehlenden harten Belegen; die Sichtungen hielten über Wochen an.

    Dagegen: „UFO“ war Truppenjargon für unidentifizierte Luftfahrzeuge; die Schiffsschäden sind durch US-Raketen erklärt; es gibt keine Daten, die über unbekannte Lichter und Radarziele hinausgehen.

    offen

    Widersprüche & offene Fragen

    • Aussage A: Rund 15 unbekannte Luftfahrzeuge am 15. Juni (q1)

      Aussage B: Rund 30 Lichter am 15. Juni (q6)

      q6 nennt keine Primärquelle für die Zahl 30; der Lagebericht ist zeitnäher.

    • Aussage A: PCF-19 sank in der Nacht 15./16. Juni, die Hobart wurde in der Nacht 16./17. Juni getroffen (q2)

      Aussage B: Darstellungen, die beide Ereignisse in dieselbe Nacht legen (q6)

      Laut q2 vermischte schon die Untersuchung die Zeitabläufe, was zur Zuordnung von PCF-19 zum Eigenbeschuss beitrug.

    • Aussage A: Hobart: zwei Tote und elf Verletzte (q2)

      Aussage B: Zwei Tote und sieben Verletzte (q6); q3 und q5 nennen nur „mehrere“ Verletzte

      Zählweise (schwer oder leicht verletzt) unklar.

    • Aussage A: Raketen auf die Hobart von einem Geschwader in Udorn (Thailand), auf die Boston von einem Geschwader in Da Nang (q4)

      Aussage B: Phantoms aus Da Nang als Angreifer (q6)

      Die eingesehenen amtlichen Darstellungen (q2, q3) nennen keine Einheit.

    • Aussage A: PCF-19 von zwei Geschossen getroffen, zwei Einschusslöcher am Wrack (q2)

      Aussage B: Drei Luft-Luft-Raketen (q6)

      q2 stützt sich auf den Befund der Marinetaucher am Wrack.