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26. und 27. Juni 1959, abends (weitere Beobachtungen am 28. Juni) · Anglikanische Missionsstation Boianai · PG

Die Sichtungen an der Mission Boianai (Papua, Juni 1959)

Status: RAAF-Nachrichtenabteilung (DAFI) 1959: wahrscheinlich Naturerscheinungen, teils Planeten; Project Blue Book: Fehldeutung astronomischer Objekte — von späteren Untersuchern bestritten [1]Bearbeitungsstand: Redaktionell geprüftmissionviele-zeugennahbegegnungfigurenraafproject-blue-bookbehoerdenakte

Zusammenfassung

Am Abend des 26. Juni 1959 beobachteten an der anglikanischen Missionsstation Boianai im damals von Australien verwalteten Territorium Papua und Neuguinea der Missionar William Booth Gill und Dutzende Bewohner ein helles Objekt über dem Meer. Nach den noch am selben Abend angefertigten Notizen und Skizzen hatte es eine breite Basis, ein schmaleres Oberdeck und eine Art Beine; zeitweise seien darauf menschenähnliche Gestalten zu sehen gewesen. Am folgenden Abend erschien nach den Aufzeichnungen erneut ein großes Licht, dessen Gestalten auf Winken der Beobachter zu antworten schienen. Bis zu 38 Personen gelten als Zeugen, von denen je nach Quelle 25 oder 27 einen Bericht unterzeichneten. Ein Offizier der Nachrichtenabteilung der australischen Luftwaffe befragte Gill Ende Dezember 1959 und hielt zumindest einen Teil der Lichter für die Planeten Jupiter, Saturn und Mars, verzerrt durch Wolken und Lichtbrechung; die US-Akte des Project Blue Book übernahm dies als Fehldeutung astronomischer Objekte. Spätere Untersucher wie J. Allen Hynek hielten das Hauptobjekt dagegen für unerklärt, während Kritiker Venus, eine Täuschung oder ein hell beleuchtetes Fischerboot vorschlugen.

Evidenzprofil

Einzelfaktoren zur Dokumentationslage mit Herleitung — bewusst ohne Gesamtwertung. Was fehlt, wird als Datenlücke benannt.

Amtliche Bearbeitung

RAAF-Nachrichtenabteilung (Befragung sechs Monate später), US-Luftwaffenattaché, Project Blue Book

Herleitung: q1, q3.

Datenlücke: Die RAAF-Originalakte im Nationalarchiv Australiens wurde nicht selbst eingesehen; die Nachrichtenabteilung erfuhr erst im September 1959 von den Sichtungen.

Zeitnahe Dokumentation

handschriftliche Notizen mit Uhrzeiten, mehrere Skizzen, am Abend selbst unterzeichnet

Herleitung: q1.

Datenlücke: Nur als Abschrift in der US-Akte eingesehen, Originale nicht.

Wetter

wechselnd bewölkt, Wolkenbasis um 2.000 Fuß, später bedeckt; leichte Gewitter

Herleitung: q1.

Zeugenlage

bis zu 38 Beobachter, darunter Lehrer und medizinische Helfer; 25 bzw. 27 Unterschriften

Herleitung: q1, q5.

Datenlücke: Spätere Befragungen erfolgten erst Monate bzw. 14 Jahre danach.

Ablauf des Ereignisses

  1. 26. Juni 1959, gegen 18:45 Uhr

    Gill bemerkt über dem Meer ein helles weißes Licht, das näher kommt und in geringer Höhe verharrt. Er ruft Lehrer der Mission hinzu; nach und nach sammeln sich bis zu 38 Beobachter. [1] [4] [6]

  2. 26. Juni 1959, ca. 19:00–19:30 Uhr

    Laut den Notizen erscheinen auf dem Objekt mehrmals Gestalten und ein schräg nach oben gerichteter blauer Lichtstrahl. Um 19:30 Uhr halten die Hauptbeobachter das Gesehene schriftlich fest und unterschreiben. [1] [5]

  3. 26. Juni 1959, ca. 20:30–22:10 Uhr

    Nach einer Phase mit Wolken werden mehrere kleinere Lichter am Himmel notiert, zeitweise vier bis fünf gleichzeitig; das Hauptobjekt entfernt sich gegen 21:30 Uhr unter Farbwechsel. Nach 22:10 Uhr zieht es zu. [1] [5]

  4. 27. Juni 1959, ab etwa 18:00 Uhr

    Ein großes Licht erscheint erneut an ähnlicher Stelle. Die Gestalten scheinen auf Winken und Taschenlampensignale zu reagieren; da keine Landung erfolgt, geht Gill gegen 18:30 Uhr zum Abendessen und später zum Gottesdienst. [1] [5] [6]

  5. 12. September bis 24. November 1959

    Die RAAF-Nachrichtenabteilung erfährt erst über eine private Forschungsgruppe in Victoria von Gills Sichtungen. Im Repräsentantenhaus wird gefragt, ob die Luftwaffe die Sichtungen über Papua und Neuguinea untersucht habe; der Luftfahrtminister antwortet, gut dokumentierte Meldungen würden geprüft und nur etwa 3 Prozent blieben ungeklärt. [2] [3]

  6. 29. Dezember 1959 bis 8. Januar 1960

    Ein Offizier der RAAF-Nachrichtenabteilung befragt Gill in Victoria. Er hält ihn für einen verlässlichen Beobachter, deutet die Ereignisse aber als Naturerscheinungen, teils als Planeten bei wolkigem Wetter. Am 8. Januar 1960 geht der Bericht an das Verteidigungsministerium; der US-Luftwaffenattaché schließt sich der Bewertung an, Project Blue Book übernimmt sie. [1] [3] [4]

  7. 1973

    J. Allen Hynek besucht Papua, befragt mehrere Zeugen und hält die Aussagen für stimmig mit Gills Bericht. [4]

Ort

Anglikanische Missionsstation Boianai — vereinfachte Weltkarte (Natural Earth). Die interaktive Karte mit Zoom lädt nach Ihrer Zustimmung oben; alle Fallorte stehen zusätzlich als Liste bereit.

Beteiligte

Zeugen

Organisationen

    Quellen & Medien

    Medien

    All Saints Church, Boianai, Papua New Guinea
    Provenienz:
    Wikimedia Commons · Fotograf unbekannt; University of Newcastle (Australien), Special Collections · Lizenz: Public Domain (Public Domain Mark der University of Newcastle, Special Collections)
    Urheber:
    Fotograf unbekannt; University of Newcastle (Australien), Special Collections
    Lizenz:
    Public Domain (Public Domain Mark der University of Newcastle, Special Collections)
    Rechtestatus:
    lizenziert
    sha256:
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    Project Blue Book report - 1959-06-8406927-NewGuinea

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    Provenienz:
    upload.wikimedia.org · US Air Force, Project Blue Book (Bericht des Luftwaffenattachés Australien) · Lizenz: gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung, Project Blue Book)
    Urheber:
    US Air Force, Project Blue Book (Bericht des Luftwaffenattachés Australien)
    Lizenz:
    gemeinfrei (Werk der US-Bundesregierung, Project Blue Book)
    Rechtestatus:
    lizenziert
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    Quellenverzeichnis

    1. [1] Behördendokument Project Blue Book: Akte „New Guinea, June–July 1959“ (Record Card Project 10073, Bericht des US-Luftwaffenattachés in Australien mit RAAF-Auswertung und Abschriften der Zeugennotizen) — US Air Force, Project Blue Book (Digitalisat über Wikimedia Commons / Internet Archive), 1959–1960 · Primärakte: Zeitangaben und Skizzen vom 26./27.06.1959, Zeugenzahl (38, davon 27 Unterschriften), RAAF-Befragung vom 29.12.1959, Bewertung „Misinterpretation of Astro Bodies“ · Namen in der Akte geschwärzt; Texterkennung des Scans stellenweise unleserlich. Gemeinfreies US-Regierungsdokument.
      abgerufen am 06.10.2026
    2. [2] Behördendokument House of Representatives, Debates, 24 November 1959 — Question: Unidentified Flying Objects — Parlament des Australischen Bundes (Hansard, über Historic Hansard), 24.11.1959 · Parlamentsanfrage zu Sichtungen über Papua und Neuguinea; Antwort des Luftfahrtministers zur Untersuchungspraxis
      abgerufen am 06.10.2026
    3. [3] Presse „Unusual Aerial Sightings“ — A search through the Australian Government's records systems — Project 1947 (Keith Basterfield für die Australian UFO Research Association), 2011/2016 · Auswertung australischer Regierungsakten: Meldungen aus Papua 1958/59, RAAF-Befragung Gills und Bewertung
      abgerufen am 06.10.2026
    4. [4] Presse Father Gill & the 1959 Papua New Guinea UFO Sighting — The Black Vault (Case Files), ohne Datum, abgerufen 06.10.2026 · Fallübersicht: Ablauf der drei Abende, RAAF-Befragung durch Squadron Leader F. A. Lang, Hynek-Besuch 1973
      abgerufen am 06.10.2026
    5. [5] Presse Gill Again: The Father Gill Case Reconsidered — Magonia (Martin Kottmeyer), Nr. 54, November 1995 (online 13.08.2009) · kritische Neubewertung: Venus-These (Menzel, Hendry), Täuschungsthese (Klass), eigene Hypothese eines beleuchteten Fischerboots · Originalseite nicht mehr online; Archivkopie des Internet Archive eingesehen.
      abgerufen am 06.10.2026
    6. [6] Presse Avvistamento di Boianai — Wikipedia (italienisch), abgerufen 06.10.2026 · Überblick über Ablauf und Erklärungsversuche (Menzel, Klass, Hynek, Vallée, Kottmeyer)
      abgerufen am 06.10.2026

    Erklärungsansätze

    Konventionelle und ungeklärte Deutungen werden formal gleichrangig dokumentiert.

    Nebenlichter: helle Planeten (Jupiter, Saturn, Mars), verzerrt durch Wolken und Lichtbrechung

    Vertreten von: RAAF-Nachrichtenabteilung (1959/60); US-Luftwaffenattaché Australien; Project Blue Book

    Dafür: Grobe Peilungen und Höhenwinkel passen nach der RAAF-Auswertung zu mehreren Planeten; das Wetter war wechselhaft bewölkt mit leichten Gewittern, ziehende Wolken können Bewegung und Formveränderung vortäuschen.

    Dagegen: Erklärt weder die notierten Gestalten noch den Lichtstrahl. Nach Kottmeyer räumte die RAAF selbst eine größere Lichtquelle unbekannten Ursprungs ein.

    teilweise gestützt

    Hauptobjekt: Venus, verzerrt durch Fehlsichtigkeit oder atmosphärische Effekte

    Vertreten von: Donald H. Menzel; als Variante Allan Hendry (nach Kottmeyer)

    Dafür: Venus stand nahe maximaler Helligkeit ungefähr in der angegebenen Richtung; die Hauptsichtungen endeten nach Hendry nie später als der Venus-Untergang.

    Dagegen: Gill trug nach eigenen Angaben eine passende Brille und nennt Venus in seinen Notizen getrennt. Kottmeyer errechnet zwischen dem Venus-Untergang (rund 285° Azimut) und der letzten notierten Richtung des Hauptobjekts eine Abweichung von etwa 55°.

    diskutiert

    Hell beleuchtetes Fischerboot vor falschem Horizont

    Vertreten von: Martin Kottmeyer (Magonia, 1995)

    Dafür: Starke Lampen könnten den beschriebenen Lichthof an der Wolkenbasis, das langsame Treiben und arbeitende, winkende Gestalten an Deck erklären; Strahl und Beine ließen sich als Takelage und Netze deuten.

    Dagegen: Kottmeyer räumt selbst ein, dass offen bleibt, wie Dutzende küstenerfahrene Beobachter stundenlang ein Boot verkennen konnten; in den geprüften Quellen findet sich kein Beleg für ein solches Boot vor Boianai 1959.

    diskutiert

    Nicht identifiziertes Flugobjekt

    Vertreten von: J. Allen Hynek; Jacques Vallée (nennt den Fall einen großen Klassiker)

    Dafür: Viele Zeugen, darunter Lehrer und medizinische Helfer, zeitnahe Notizen und mehrere unabhängige Skizzen mit ähnlicher Form.

    Dagegen: Keine Fotos, keine Messdaten. Bei der RAAF-Befragung im Dezember 1959 erklärte Gill, er sei nicht überzeugt, UFOs gesehen zu haben, und würde jede logische Erklärung akzeptieren (q1); in einem Brief vom Juni 1959 hatte er sich noch „fast überzeugt“ gezeigt (q1, q4). Die Täuschungsthese von Philip J. Klass und astronomische Deutungen wurden nie abschließend ausgeräumt.

    offen

    Widersprüche & offene Fragen

    • Aussage A: Erstsichtung gegen 18:45 Uhr (q6)

      Aussage B: Skizze in der Akte: Objekt zwischen 18:55 und 19:22 Uhr von 38 Zeugen beobachtet (q1)

      Kein echter Widerspruch: Gill sah das Licht zuerst allein bzw. mit wenigen Personen, die übrigen kamen nach und nach hinzu.

    • Aussage A: 27 von 38 Beobachtern unterschrieben (q1)

      Aussage B: 25 Unterschriften (q5)

      Die Zahl 38 ist in beiden Quellen gleich; die Abweichung betrifft nur die Unterzeichner.

    • Aussage A: Blue Book: Fehldeutung astronomischer Objekte (q1)

      Aussage B: RAAF laut Kottmeyer: keine sicheren Schlüsse, größere Lichtquelle unbekannten Ursprungs (q5)

      Die RAAF-Auswertung in q1 spricht vorsichtig davon, dass zumindest einige Lichter Planeten gewesen seien; die Blue-Book-Karte verallgemeinert dies.